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Kennt viele wertvolle Anlagetips:
Anlage-Guru Marc Faber |
21. Oktober 2004
Zu den größten Fehlern, die ein Anleger
begehen kann, gehört es, sich ohne ein
System und klare Anlagegrundsätze an den
Finanzmärkten zu bewegen. Mitunter laufen
die Entscheidungsprozesse so unstrukturiert
aus, daß dabei fast zwangsläufig
verlustträchtige Geschäfte herauskommen
müssen.
Da an den Börsen
Fehlern in der Regel gnadenlos abgestraft
werden, macht es Sinn, sich vor und nach dem
Kauf an einige Regeln zu halten. Auf der
Suche nach der richtigen Strategie für den
individuellen Bedarf, kann dabei die
Vorgehensweise von renommierten
Börsenexperten eine Orientierungshilfe sein.
Einer dieser weltweit anerkannten
Börsenexperte ist Marc Faber, der zudem
Fondsmanager und Herausgeber des monatlich
erscheinenden "Gloom, Boom & Doom Report“
ist.
Nachfolgend
finde Sie die wichtigsten Grundregeln, denen
sich Faber verpflichtet fühlt (siehe auch
Link: Was und wie Anleger lesen sollten)
1. Es gibt
keine Anlageregel, die auf jeden Fall paßt
Wenn es eine
bestimmte Regel gäbe, die immer zuträfe,
würden sich mit der Zeit alle Anleger danach
richten, und dann wären wir alle reich.
Historisch gesehen ist die
Wohlstandspyramide jedoch konstant
geblieben: oben einige Reiche und unten
zahlreiche Arme. Selbst die besten Regeln
ändern sich also von Zeit zu Zeit.
2. Aktien
gewinnen auf lange Sicht immer
Dabei handelt es
sich um einen Mythos. Die Zahl der
Unternehmen, die bankrott gehen, ist sehr
viel größer als die derjenigen, die Erfolg
haben. Nationale Aktienmärkte sind häufiger
zusammengebrochen als daß sie überlebt
haben. Beispiele sind Rußland 1918, alle
osteuropäischen Aktienmärkte nach 1945,
Schanghai nach 1949 und Ägypten 1954.
3. Immobilien
gewinnen auf lange Sicht immer
Die Preise für
Immobilien steigen tendenziell zwar
tatsächlich auf lange Sicht an, was nicht
zuletzt auf das Bevölkerungswachstum
zurückzuführen ist, aber man darf mögliche
Probleme mit Eigentums- und Besitzrechten
nicht außer acht lassen. In den vergangenen
1.000 Jahren waren Immobilien in London eine
gute Investition. Für die Indianer in
Amerika, die Azteken in Mexiko, die Inkas in
Peru und die Bevölkerung von Ländern, die im
20. Jahrhundert kommunistisch wurden, sieht
das jedoch ganz anders aus. All diese Völker
verloren sowohl ihre Immobilien als auch in
der Regel ihr Leben.
4. Billig
kaufen und teuer verkaufen
Diese Regel
konfrontiert die Anleger mit dem Problem,
daß man nie genau sagen kann, wann die
Preise niedrig bzw. hoch sind. Häufig fallen
niedrige Preise noch weiter und hohe Preise
klettern noch höher.
5. Kauf ein
Portfolio mit hochwertigen Aktien und halte
daran fest
Auch diese Regel ist äußerst gefährlich.
Unternehmen, die heute attraktiv sind, sind
deswegen noch lange nicht die Marktführer
von morgen. Xerox, Polaroid, Memorex,
Digital Equipment, Burroughs und Control
Data waren 1973 marktführend. Und heute?
Entweder sind diese Unternehmen vom Markt
verschwunden oder ihre Aktien notieren
deutlich niedriger als 1973.
6. Kaufe,
wenn die Zeiten schwierig sind
Es stimmt schon, daß schlechte Nachrichten
häufig ein guter Zeitpunkt für einen
Markteinstieg sind, zumindest zu
Spekulationszwecken. Langfristig könnte es
sich jedoch als bessere Strategie
herausstellen, erst dann zu kaufen, wenn
bereits längere Zeit ungünstige Nachrichten
veröffentlicht wurden. Wenn dann die Kurse
nicht weiter zurückgehen, besteht die
Chance, daß das Schlimmste in vollem Umfang
eingepreist ist.
7. Vertrau
niemandem!
Alle wollen dem Anleger etwas verkaufen.
Unternehmensmanager sagen entweder
wissentlich die Unwahrheit oder weil sie die
tatsächliche Lage ihres Unternehmens nicht
kennen, und alle Anleger verdienen, wenn ein
einzelner etwas kauft oder verkauft.
8. Die besten
Investitionen sind häufig diejenigen, die
man gerade nicht getätigt hat
Eine wirklich
gute Investition, die im Zeitablauf um das
Hundertfache oder mehr aufwertet, ist wie
eine Nadel im Heuhaufen. Die meisten „heißen
Tips“, „unbedingten Kaufempfehlungen“ und
„guten Gelegenheiten“ erweisen sich als
Seifenblasen. Daher sollte man nur sehr
wenige Anlageentscheidungen treffen, die
dann sorgfältig analysiert und im Hinblick
auf Risiko und möglichen Ertrag abgewogen
sind.
9. Investiere
auf einem Gebiet, auf dem du einen Vorteil
hast
Wenn man in
einer Kleinstadt lebt, kennt man vielleicht
den örtlichen Immobilienmarkt, weiß jedoch
wenig über Cisco, Yahoo und Oracle. Man
sollte in den Bereichen anlegen, in denen
man möglicherweise über einen
Wissensvorsprung verfügt.
10.
Investiere in dich selbst!
Die heutige
Gesellschaft interessiert sich vor allem für
Geld. Die beste Investition könnte jedoch
darin bestehen, etwas für die eigene Bildung
zu tun, Zeit mit den Menschen zu verbringen,
die man liebt, sich beruflich zu engagieren
oder Geld für Bücher auszugeben, die einem
neue Ideen nahe bringen und einem die Dinge
aus unterschiedlichen Perspektiven sehen
lassen.
Am meisten
bewunderte Anleger
Die Anleger, die
ich am meisten bewundere, sind Jesus
Christus, Mohammed und Buddha. Indem sie
nicht materiellen Reichtum mehren wollten,
sondern an Instinkte und Bedürfnisse der
Menschen appellierten, haben sie
unabsichtlich die einzigen Unternehmen
geschaffen, die bis heute wachsen, blühen
und gedeihen. Aus rein kapitalistischer
Sicht war Francisco Pizarro bei weitem der
erfolgreichste Anleger, da er Peru, das dann
im 16. Jahrhundert den weltweiten
Silbermarkt durch die Potosi-Mine
beherrschte, mit nur 168 Soldaten eroberte.
Lieblingsbuch: „Der Alchemist“ von Paulo
Coelho
Dabei handelt es
sich nicht um ein typisches Anlegerhandbuch
eines Wall-Street-Spekulanten oder eines
Lottogewinners, der dann aufschreibt, wie
andere mit seinem System ebenfalls zu
Lottogewinnern werden können. Dieses Buch
zeigt einem jedoch, daß man zahlreiche
Widrigkeiten in Kauf nehmen muß, wenn man
sich seine Träume erfüllen will, und daß man
Dinge tun muß, die anderen nicht einmal im
Traum einfallen würden. Man wird dieses Buch
nicht vergessen und nicht bereuen, es
gelesen zu haben.
Beste
Investitionen
Aktienmärkte in
Korea und Taiwan 1979, Philippinen und
Thailand 1986, Chile, Argentinien, Brasilien
und Peru 1988, japanische Nikkei-Puts 1989,
keine Investitionen in Asien nach 1994.
Schlechteste
Investitionen
Zu frühes
Abstoßen von amerikanischen Aktien. Dies war
1999 und Anfang 2000 eine ungünstige
Entscheidung.
Dinge, die
ich bedaure
Ich habe immer
die Verantwortung für mein Handeln
übernommen und nie jemandem anders die
Schuld gegeben, wenn etwas nicht
funktioniert hat. Daher bedaure ich nichts.
Allerdings war ich enttäuscht, wenn ich
Freunden Geld geliehen habe, da sie weder
das Geld zurückgegeben haben noch die
Freundschaft Bestand hatte.