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Geschichten aus Thailand...
Günther Ruffert
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               Zwei wirklich lesenswerte Bücher.
 

Ein "muss" für alle die nach Thailand reisen, ob als
Pauschal-, Individual-, Sextourist oder Auswanderer!

                              Autor: Günther Ruffert

Farang in Thailand
Günther Ruffert
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  Was zieht uns nach Thailand?
  Die Sextouristen
  Die Urlauber
  Die Expats
  Expats in Thailand
  Auswandern
Wahre Liebe an der Bar?
Abzocke
Ehe und Familie
Brautgeld
Geister
Buddha und Geister
 
Sanuk
Sprachprobleme
Schule in Thailand
Status
Zeit
Hinter Gittern
 
Geschichten aus Thailand
Die Polizei dein Freund und Helfer
Der Wai (Gruss)
Relative Wahrheiten
Die Geister
Rassismus und Nationalismus in Thailand

Was zieht uns nach Thailand?   von Günther Ruffert                                           druckbare Version (28 A4-Seiten)

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Im vergangenen Jahr wählten fast eine halbe Million Deutsche Thailand als Urlaubsziel. Was ist es nun, das uns Deutsche über 10.000 Kilometer und 12–15 Flugstunden auf die andere Seite der Welt zieht ?

Thailand ist das Land in Asien, das die meisten Besucher anzieht, und das mit gutem Grund. Es besitzt eine einzigartige Kultur, eine reiche und vielfältige Tradition und reizvolle Naturschönheiten. Man kann die goldverzierten Türme und steil aufragenden Dächer der buddhistischen Tempel bewundern, man findet eindrucksvolle Ruinen versunkener Reiche und noch viele andere Sehenswürdigkeiten, die diesem Königreich, dessen eigenständige Geschichte über 700 Jahr zurückreicht, seine Identität verleihen. Im Norden gibt es noch vom Dschungel bedeckte Berge und verschwiegene Täler mit exotischen Volksstämmen, wie Meos und Karen. An südlichen Gestaden kann man sich abseits des Touristenrummels an noch fast unberührten Stränden und Inseln wie Robinson fühlen. Was immer die persönlichen Interessen und Neigungen des Besuchers sind - Thailand wird vor allem beim ersten Besuch ein einzigartiges Erlebnis sein, voller exotischer Wunder, die man sonst kaum finden kann.

Es gibt allerdings auch manche Dinge in diesem Land, die dem europäischen Besucher wenig anziehend vorkommen. Das ist vor allem die Art und Weise wie man versucht, die - nach Thai-Begriffen - insgesamt reichen Touristen auszunehmen. Das ist ferner die Korruption auf allen Ebenen, und auch die rücksichtslose Art, wie die Thais mit ihren natürlichen Ressourcen umgehen. Jeder Besucher wird dieses Land nach seiner Rückkehr danach beurteilen, wie sich seine persönlichen Erwartungen erfüllt haben. Diese persönlichen Erwartungen sind individuell ganz unterschiedlich. Da gibt es die sogenannten Flugbarkenner (sie kennen von Thailand nur den Flughafen in Bangkok und die Bar in Pattaya, wo sie sich jeden Abend vollaufen lassen und auf Mädchenjagd gehen), kurz gesagt Leute welche nur der Barrummel und Sexbetrieb interessiert. Da sind die Menschen die nach Thailand reisen, um ein paar Wochen an den sandigen und palmengesäumten Stränden, das schöne Wetter zu genießen und sich einfach auszuruhen und Kraft für den täglichen Streß zu tanken. Sie lernen wohl einige landschaftliche Schönheiten, aber kaum die Menschen kennen, mit denen sie nur als dienstbare Geister in Kontakt kommen. Da gibt es aber auch immer mehr Touristen, die außer den Sehenswürdigkeiten, den Stränden im Süden, den tropischen Wäldern im Norden und den goldenen Tempeln im ganzen Land, auch an den Menschen, ihrer Kultur und Lebensweise interessiert sind, und durch Vergleich ihrer eigenen Probleme mit den Lebensumständen der Menschen auch etwas mit nach Hause nehmen wollen, was sie den Tagesstreß mit anderen Augen sehen lässt.

Welches sind nun die Gründe, die den Europäer, oder Farang wie die Thai alle Fremden weißer Hautfarbe, nennen nach Thailand bringen ?

Die Sextouristen

Wenn man als Mann in Deutschland einem Bekannten erzählt, daß man im Urlaub nach Thailand fahren will, geht ein wissendes Lächeln über sein Gesicht das ausdrückt," du bist also auch so einer". An diesem, durch Presse und Fernsehen geprägten Bild Thailands, als ein einziges großes Bordell ist zwar die Regierung in Bangkok nicht ganz unschuldig. Es ist aber eine völlige Verzerrung der Zustände in diesem Land, und eine Beleidigung für die sich überwiegend mit schlecht bezahlter Arbeit ihr mageres Auskommen verdienenden Bewohner des Landes.

Wer als Sextourist nur nach Thailand fährt um seine sexuellen Gelüste zu befriedigen, macht rein kommerziell gesehen ein schlechtes Geschäft. Für die ca. 5000 DM, die ihn ein 3-wöchiger Aufenthalt in Pattaya insgesamt kosten wird, kann er in einem deutschen Bordell seine Lenden billiger erleichtern. Es muss also noch etwas anders sein, was den deutschen Mann zu den Mädchen an den Bars der Touristenhochburgen zieht. Es ist nicht nur der reine Sex, sondern die Mischung aus Anmut und Naivität, die allerdings gepaart ist, mit einem durch wenig moralische Bedenken gehemmtes Bemühen, aus dem verliebten Gockel so viel wie möglich rauszuholen.

Die Urlauber

Es sind aber zunehmend nicht nur alleinstehende Männer, die es nach Pattaya und Phuket zieht, sondern zunehmend auch Ehepaare, die dorthin reisen, um ein paar schöne Urlaubswochen zu verleben. Das Erstaunliche ist nun, daß trotz vieler Dinge, die wie verschmutzte Strände, Lärm und Abzockerei, für deutsche Augen wenig attraktiv sind, trotzdem die meisten im nächsten Urlaub wieder nach Thailand fahren. Sie sind vom "Thailand-Virus" angesteckt worden.

Thailand und vor allem Pattaya ist auch ein Einkaufsparadies Man bekommt hier fast alles preiswerter als in Deutschland. Modische, billige Textilien, die beliebte Thai-Seide, Edelsteine und Schmuck, Gold, von Künstlern gemalte Portraits, Antiquitäten, Töpferwaren, Handarbeiten aus allen Landesteilen, Lackarbeiten und vor allem Imitate sind der Renner.

Obwohl in Thailand seit fast einem Jahrzehnt das Copyright-Gesetz gilt und Pattayas Händler in ständiger Angst vor Razzien der Polizei leben, gibt’s stadtweit Plagiate. Falsche Uhren mit der Aufschrift Rolex oder Breitling, Jeans von Calvin Klein, Windjacken von Ferrari, Sportbekleidung von Nike, Hemden von Boss, sowie Reisetaschen und Koffer von Louis Vuitton, werden überall in den Straßenboutiquen feil geboten. Alles zu einem Bruchteil der in Europa für Originale geforderten Preise

Die Expats

Ist jemand erst mal richtig vom Thailandvirus, befallen, so wird ihm der Gedanke kommen, sein Leben, bzw. den Rest seines Lebens in Thailand, zu verbringen..

Hier gilt natürlich wie in jedem guten Krimi zunächst einmal der Satz "cherchez la femme". Für fast alle war eine Thai-Frau der Anlaß sich in Thailand zu etablieren. Auch wenn die Verbindung nach einiger Zeit wieder in die Brüche geht, wird in den meisten Fällen eine neue Thai-Frau die Stelle einnehmen. Es ist schwer zu definieren, was für Farangs den besonderen Reiz der Thai Frauen ausmacht. Der Traum manches Macho, daß er hier ein unterwürfiges und ihm in allen Dingen zu Diensten stehendes Wesen finden kann, wird bald ausgeträumt sein. Thai-Frauen haben, bei allem sanftmütigen Äußeren einen eisenharten Kopf, und wissen ihre Interessen durchzusetzen. Wenn es geht mit Liebe und Schmeichelei, wenn es sein muss, aber auch mit harten Argumenten. Vor allem haben sie – wie alle Thais – erhebliche Schwierigkeiten, eine andere Meinung als ihre eigene zu akzeptieren. Es sind aber außer den Frauen noch viele andere Dinge die dem Expat an Thailand gefallen, und die ihm das Leben hier anziehender erscheinen lassen als in Old Germany.

Wenn es bei uns in Deutschland kalt und ungemütlich wird, kann man hier tagsüber am Strand liegen und abends draußen sitzend den Sonnenuntergang genießen und mit Freunden ein Bier trinken. Man kann sich auch für wenig Geld in unzähligen kleinen Restaurants und Garküchen satt essen. Die gebotene Auswahl ist nicht zu verachten, und gut schmecken tut es in der Regel auch. Man kann selbst in kleineren Orten abends in einem Thai-Restaurant sitzend beim Essen hübschen Girls auf der Bühne beim Singen zuzuhören und zuzuschauen,

Man kann unter Benutzung eines enggeknüpften Flug-, Schienen- und Busnetzes preiswert im ganzen Land herumreisen. Natürlich kann man auch mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sein, und da die Treibstoffpreise trotz allem Gejammer der Thais nur einen Bruchteil dessen betragen, was wir an deutschen Tankstellen blechen müssen, ist es gar nicht mal so teuer. Vorsicht ist allerdings beim Straßenverkehr immer geboten, da Thai - Fahrer die Existenz anderer Verkehrsteilnehmer nur als ärgerliche Tatsache zur Kenntnis nehmen. Ein Grossteil der Fahrer hat keinen Führerschein. Wenn sie aber einen Führerschein besitzen, haben sie zu dessen Erwerb bestenfalls eine rudimentaire Kenntnis der Verkehrszeichen nachweisen müssen. Eine Pflicht zum Besuch einer Fahrschule, mit anschließendem Nachweis der erworbenen Fahrkünste kennt man in Thailand nicht.

Es gibt natürlich auch Dinge in Thailand, die den Farang stören, oder gegen den Strich gehen. Wenn er aber erst mal gelernt hat, all die Dinge die nicht so laufen wie man es von zu Hause gewohnt ist, mit einer gewissen Toleranz zu betrachten, dann werden im Laufe der Zeit diese störenden Dinge in den Hintergrund treten. Wer allerdings erwartet, daß er alles hier so vorfindet wie zu Hause, oder meint, daß die Thais sich so verhalten müßten, wie er es sein Leben lang von seinen Mitmenschen gewohnt war, der wird hier nicht glücklich werden. Um ein zufriedenstellendes Zusammenleben und Akzeptanz in einer Thai-Umgebung zu erreichen braucht es eine nicht geringe Anpassungsfähigkeit an Land, Leute und Kultur, vor allem muss die Toleranzgrenze weit höher liegen als in Europa. Natürlich hat jeder sein eigenes Rezept, um sich mit den Gegebenheiten des Landes zu arrangieren. Wenn man hier im Land leben will, wird man je nach den eigenen Charaktereigenschaften all die Dinge die einem zunächst auf die Nerven gehen verdrängen, verarbeiten, oder phlegmatisch tolerieren. Um als Farang in Thailand zufrieden zu leben, ist es erforderlich die Thai-Gesellschaft zu verstehen. Verstehen heißt nicht etwa alles gutheißen, auch mir geht in Thailand manches gegen den Strich, und gegen meine angeborene oder angelernte Auffassung von Sauberkeit, Ordnung und vernünftigen Leben. Es ist aber doch wohl unbestritten, daß wir Farangs anders fühlen, denken und handeln wie Thais. Man muss dann als vernünftiger Mensch auch akzeptieren, daß die Thais in ihren Land so leben, wie sie es gewohnt sind, und nicht wie man als Farang es gerne möchte; kurz man muss versuchen sich anzupassen und einzurichten. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach, und erfordert neben Toleranz, vor allem auch den Willen zu ergründen, warum die Thais so fühlen und handeln, Man sollte vor allem versuchen zu begreifen, daß die Thais die Sache von ihrer Seite her sehen, und sagen "die Farangs fühlen, denken und handeln anders als wir Thais. Aber wenn sie in unserem Land leben, dann sollen sie sich gefälligst an die Spielregeln halten die hier seit Jahrhunderten gelten, und die dafür sorgen, daß unsere Thai Gesellschaft funktioniert."

Unter den Langzeit Residenten hier in Thailand gibt es im wesentlichen 3 Typen:

Da sind zum einen Leute die es geschafft haben, sich eine schöne Existenz aufzubauen, im übrigen aber, außer geschäftlich, mit Thais wenig zu tun haben, und die im übrigen in den Jahren die sie in Thailand leben gelernt haben, mit den Problemen, die sich aus dem beruflichen Kontakt mit Thais ergeben fertig zu werden, ohne einen Herzinfarkt zu bekommen

Da sind dann zum anderen die Leute, meistens Rentner, die das schöne Wetter und das relativ preiswerte Leben in Pattaya oder Phuket genießen, aber ebenfalls außer mit ihrer Bettgenossin kaum Kontakt mit Thais haben. Sie haben sich abgekapselt und leben in einer Enklave.

Und da sind dann zum dritten die Leute, die sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entschlossen haben, z.B. im Isaan (da in der Regel die Frau die sie hier hergebracht hat aus dieser Landesgegend kommt) zusammen mit Thais zu leben. Dazu ist zum einen erforderlich, daß man die Verschiedenheit der Thai Denk- und Handlungsweise akzeptiert, und vor allem nicht versucht die Menschen mit denen man zu tun hat zu überzeugen, daß ihr Handeln falsch ist. Natürlich ist es notwendig gewisse Schranken zu setzen und auch durchzusetzen. Hierfür nur ein Beispiel. Jeder Farang der in einer Thai Familie wohnt hat das Problem mit dem Familienkühlschrank. Alle Familienmitglieder bedienen sich ungeniert mit allem was er sich im Supermarkt einkauft, egal ob Bier, Wurst oder Marmelade. Da alles Gerede und Geschimpfe hier auf taube Ohren trifft, ist die einfachste Lösung, sich einen eigenen Kühlschrank zu kaufen, und der ganzen Familie klar zu machen, daß niemand zu diesem Kühlschrank Zutritt hat.

Dieses Land hat dem Farang viel zu bieten. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen mit Thailand und lernt das Land je nach seinem Gesichtspunkt und persönlichen Wertvorstellungen auch von unterschiedlichen Seiten kennen. Der eine war nur da um sich in Pattaya zu amüsieren, der andere hat sich nur Tempel und Museen angeschaut, und der dritte hat sich nur mit seiner (zukünftigen) Frau und deren thailändischer Familie beschäftigt. Die Besucher, die aber bereit sind die Augen und das Herz für die Menschen hier zu öffnen, und auch bereit sind ihre eigene Kultur und Denkweise in Frage zu stellen, die werden sehr oft von einem Syndrom befallen, das man den Thailand-Virus nennen könnte. Sie kommen immer wieder zurück, oder denken gar daran sich auf Dauer in Thailand niederzulassen. oder überlegen zumindest ihren Lebensabend hier zu verbringen.

 

Wahre Liebe an der Bar?   von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online:  Geschichten aus Thailand,  Farang in Thailand.

Jeder Farang der nach Thailand kommt, egal ob als an dem Land interessierter Tourist, oder als nur an den süßen Thai-Mädchen interessierter Mann, er wird nicht darum kommen den Betrieb an den Bars zur Kenntnis zu nehmen, und sich dann individuell ganz unterschiedliche Meinungen zu bilden. Der mit Ehefrau anreisende Pauschaltourist wird das Ganze vielleicht mehr oder wenigen abstoßend finden (zumindest seiner Frau gegenüber), während der nur an den Mädchen interessierte "Sextourist" die ihm hier gebotenen Möglichkeiten in vollen Zügen genießt. Wenige machen sich aber Gedanken darüber, warum jeder Europäer, auch wenn er die ihm angebotenen Liebesdienste gerne nützt, im Grunde all dies als zutiefst unmoralisch empfindet, während die Thais augenscheinlich wenig Probleme damit haben, wenn die Mädchen an den Bars ihren Körper gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Welches sind nun die tieferen Ursachen dieser unterschiedliche Beurteilungen ?

  1. Die Einstellung aller Farangs zum Sex, vor allem zum käuflichen Sex, ist durch zwei Jahrtausende Kirchengeschichte geprägt. Keiner kann sich ganz davon frei machen, auch wenn er schon lange aus der Kirche ausgetreten ist; das steckt sozusagen in den Genen. Die christlichen Kirchen, und noch heute die katholische Kirche, hielten Geschlechtsverkehr selbst zwischen Eheleuten immer dann für Sünde, wenn er nicht ausschließlich zum Zwecke der Nachwuchserzeugung erfolgte. Sex nur zur Befriedigung tiefsitzender menschlicher Bedürfnisse wurde grundsätzlich als verwerflich angesehen. Was allerdings die Männer vom Kardinal bis zum Straßenkehrer nicht daran hinderte sich zumindest heimlich diesen Genuß zu verschaffen. Das Jesus aber eine andere Meinung über die käufliche Liebe hatte als die Kirche heute predigt, kann jeder im neuen Testament nachlesen. Jesus hielt sicher mehr von der "Hure" Magdalena als von frommen Pharisäern und reichen Philistern. Bei der moralischen Verurteilung der Mädchen die in Thailand an den Bars ihr Geld verdienen, sollte man nicht nur die wirtschaftlichen Zwänge, berücksichtigen, sondern fairerweise auch gleiche Maßstäbe anlegen. Der Mann bezahlt für Sex, das Mädchen läßt sich für Sex bezahlen. Wieso ist das eine moralisch verwerflicher als das andere ?

    Die anderen großen Religionen haben eine andere Einstellung zum Sex. Die muslimischen Kämpfer der Hisbollah gehen noch heute freudig für Allah in den Tod, weil ihnen ihre Mullahs lehren, daß nach ihrem Opfertod im Paradies die Houris mit offenen Armen (und wie sie wohl als selbstverständlich annehmen auch mit offenen Schenkeln) auf sie warten.

    Wer das Wat Phra Kheo in Bangkok besucht, welches das thailändische Nationalheiligtum, den Emerald-Buddha beherbergt, der wird, wenn er an der das Kloster umschließenden Umfassungsmauer entlang geht, dort mehr blanke, runde Busen sehen, als jemals im Playboy erschienen sind.

  2. Die Mädchen die der Farang an den Bars trifft, sind im buddhistischen Grunddenken erzogen worden. Dieses unterscheidet sich in der Beurteilung geschlechtlicher Beziehungen wesentlich von der Lehre der christlichen Kirche. Hinzu kommt, das Thais ganz allgemein einen wesentlich pragmatischeren Charakter haben als Farangs. Die sich daraus ergebende Anpassung der Lehren Lord Buddhas an die Erfordernisse des täglichen Lebens, kommen dem Farang oft arg wunderlich vor. Wenn er z.B. sieht, wie die "käuflichen Mädchen", bevor sie ihren Dienst an der Bar antreten, eine Räucherkerze vor dem Buddha Bild in der Ecke des Lokals anzünden und mit gefalteten Händen ein kurzes Gebet verrichten, dann kann der Farang nur mit dem Kopf schütteln. Wenn die Barmädchen einmal in der Woche ins Kloster gehen, um dort zu opfern, werden die Jünger Buddhas im gelben Gewand die Opfer der Mädchen gerne annehmen, und sie mit geweihtem Wasser besprengen, keiner wird aber den Versuch machen, die Mädchen zu ermahnen von ihren unmoralischen Tun abzulassen.

    Erst recht Mühe hat der Farang zu verstehen, welche Einstellung die Familien der Mädchen auf dem flachen Lande zu dem Tun ihrer Töchter in Pattaya und Phuket haben Es ist keineswegs so, daß dort sexuelle Beziehungen zwischen jungen Männern und Mädchen toleranter beurteilt werden als bei uns. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Zwei verliebte Thais, ja selbst Eheleute, werden sich nie in der Öffentlichkeit umarmen oder gar küssen, und Geschlechtsverkehr zwischen jungen Leuten ist erst dann erlaubt, wenn das Paar von den dafür zuständigen Mönchen oder vom Dorfschamanen in Gegenwart des ganzen Dorfes eingesegnet worden ist. Daß diese Verbindungen dann nicht durch gesetzliche Vorschriften, wie etwa den Zwang beim Verlassen der Familie für Frau und Kinder Alimente zu zahlen zusammengehalten werden, ist ein weiterer Unterschied zu den Verhältnissen bei uns, und der Grund dafür, daß viele Thai-Männer sich nach ein paar Jahren eine andere Frau nehmen und Ehefrau samt Kindern einfach sitzen lassen. Es ist dann ausschließlich Sache der Familie der Frau, die Kinder zu ernähren und aufzuziehen. Hier helfen dann wieder die für Thais typischen Familienbande. Die Eltern werden in der Regel die Versorgung der Kinder übernehmen, wenn die Tochter in die große Stadt oder nach Pattaya muß um das nötige Geld für ihren und der Familie Lebensunterhalt zu verdienen. Hier noch einige kurze Beispiele zur Einstellung der Thais zu dem was sich schickt und was nicht.

    Auf dem Lande ist es oft noch üblich, daß alte Frauen zu Hause 'oben ohne' herumlaufen, aber eben nur die alten Frauen. Als ich meine Frau einmal scherzhaft fragte, warum nicht auch die jungen Mädchen und Frauen ihre doch viel ansehnlichere Busen offen tragen, bekam ich entrüstet zur Antwort 'das würde doch nur die Lust der Männer anregen'.

    Wie Thais diese Dinge sehen, hat mir einmal meine Thai-Frau auch einmal klargemacht, als sie sah, wie am Swimmingpool unseres Hotel in Pattaya ein paar junge Farang Frauen sich oben ohne sonnten. Sie war der Ansicht, daß sich jede Thai-Frau schämen würde, sich so vor fremden Männern zu zeigen. Als ich sie daraufhin daran erinnerte, daß wir am Tag vorher in einer Go-Go-Bar gesehen hatten, wie sich blutjunge Thai-Mädchen halb oder ganz nackt präsentierten, meinte sie, das wäre doch etwas ganz anderes. Schließlich würden die Mädchen dort arbeiten und bekämen gutes Geld dafür.

    Die Bilder appetitlicher Nackedeis, die wir jeden Tag auf der ersten oder letzten Seite von "Bild" bewundern können, würde keine Thai-Tageszeitung bringen. Wenn es doch einmal notwendig ist, zur Illustration einer gebrachten Nachricht ein Bild zu bringen, auf dem ein nackter Frauenkörper zu sehen ist, werden primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale mit Streifen überdeckt.

    Als meine Frau einmal in Deutschland zu Besuch war, zeigte ihr meine 25 Jahre alte Nichte ihr Apartment. Auf die Frage meiner Frau, ob sie denn in der schönen Wohnung ganz alleine wohne, sagte das Mädchen arglos, daß auch oft ihr Freund bei ihr übernachte. Darauf wollte meine Frau wissen, ob er ihr denn auch Geld dafür gebe, was das Mädchen natürlich entrüstet verneinte. Meine Frau konnte dann nicht verstehen, daß die Eltern des Mädchens keine Einwände dagegen hatten, das ihre unverheiratete Tochter nur so zum Vergnügen mit einem Mann schlief. Während das Zusammenschlafen zweier unverheirateter junge Leute bei und heute ganz normal ist, und bei niemanden Anstoß erregt, ist das in Thailand grundsätzlich Tabu.

    Diese Beispiele zeigen vielleicht was Thai für anstößig, bzw. erlaubt und nicht erlaubt halten. Die Sache kehrt sich aber völlig um, wenn diese Tabus zum Erwerb des Lebensunterhalts der Familie beiseite geschoben werden. Hier kommt der für Thais typische Pragmatismus voll zum Zuge, wenn abgewägt werden muß zwischen allgemein akzeptierten Moralvorstellungen, und der Verpflichtung für den Lebensunterhalt der Kinder und der alten Eltern zu sorgen, die ja durch keinerlei Sozialversicherung abgesichert sind. Diese Verpflichtung zum Familienunterhalt funktioniert auch, selbst wenn es in Thailand kein Gesetz wie bei uns gibt, mit dem der Staat notfalls durch Pfändung die Kinder zwingt, für ihre notleidenden Eltern aufzukommen. Nach der Auffassung der Eltern und natürlich auch des Mädchens werden die Sünden die es auch nach buddhistischer Lehre bei ihrer Tätigkeit begeht, mehr als aufgewogen durch das Gute was sie ihrer Familie tut.

  3. Das Wort "Hure" wird in der deutschen Sprache allgemein mit "gemein, abstoßend" assoziiert. Es besteht aber ein riesengroßer Unterschied zwischen den Huren die in Deutschland den zeitlich meist auf eine halbe oder ganze Stunde begrenzten Gebrauch ihres Unterleibs gegen Entgelt anbieten, und dem Thai-Mädchen das der Farang an einer Bar aufgabelt. Sie wird ihre Bemühungen in der Regel nicht darauf beschränken, ihren Körper gegen Bezahlung zur Abreagierung der geschlechtlichen Gelüste des Mannes zur Verfügung zu stellen, sondern sich darüber hinaus Mühe geben, ihm ein Gefühl von Wärme und Zärtlichkeit zu geben. Dies natürlich auch weil sie hofft, so länger mit dem Farang zusammen bleiben zu können, gegen entsprechende Vergütung selbstverständlich. Der Farang begeht nun oft den Fehler diese Zärtlichkeit für wahre Liebe zu nehmen, und sich selbst in das Mädchen zu verlieben. Er ist dann maßlos enttäuscht und fühlt sich betrogen wenn er dann eines Tages feststellen muß, das die ganze Sache für das Mädchen nur Arbeit und nicht Liebe war.

Nun will ich damit keineswegs sagen, daß es für einen alleinstehenden und eine gute und liebevolle Frau suchenden Farang nicht möglich, ist solch ein Wesen an einer Bar zu finden (wo denn sonst in Thailand). Ich selbst gehöre dazu und lebe seit vielen Jahren mit meiner Thai-Frau zusammen, die ich an einer Bar in Phuket kennengelernt habe. Hier aber ein paar Ratschläge für den Farang, der glaubt solch eine Frau gefunden zu haben :

In vielen Fällen wird sich das Verhältnis darauf beschränken Briefe zu wechseln und Geld zu überweisen. Wenn der Farang damit nur dem Mädchen das er liebt helfen will, und das Geld abschreibt, ist alles in Ordnung und der Mann ist für seine Nächstenliebe zu loben. Die Thais würden sagen er hat damit "tam bon" getan, und müßte eigentlich dem Mädchen für die Gelegenheit Gutes zu tun noch dankbar sein. Wenn er aber erwartet, daß zum Dank für seine Geldüberweisung das Mädchen bis zu seiner nächsten Tour nach Pattaya nur an der Bar hockt, sich mit ein paar zusätzlichen Baht für Lady-Drinks zufrieden gibt, und jede Gelegenheit ausschlägt mit einem Farang mitzugehen, dann hat er sich schwer verkalkuliert. Dann kann er aber nicht sagen das Mädchen ist eine Hure, sondern er ist dämlich sich nicht besser informiert zu haben, was problemlos möglich ist;. Es gibt in den in Thailand erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen genug gute Informationsmöglichkeiten.

Falls die Liebe aber so groß ist, daß der Mann das Mädchen mit nach Deutschland nehmen und heiraten will, so wird sie in den meisten Fällen damit einverstanden sein. Damit bietet sich für sie die einmalige Möglichkeit aus ihrer Dauermisere rauszukommen. Dem Mann kann aber nur geraten werden, nicht gleich nach 2 wöchiger Bekanntschaft die dazu notwendigen Schritte zu unternehmen, sondern zunächst zu prüfen ob sie beide überhaupt zusammen passen, und vor allem zusammen in Deutschland leben können. Für solch eine Prüfung reicht das Hotelbett in Pattaya nicht als Prüfstand aus. Er muß zunächst einmal die Familie seiner Zukünftigen kennen lernen, denn er heiratet die Familie mit, und damit auch die Verpflichtung zu deren Unterhalt beizutragen, ob ihm das paßt oder nicht. Er sollte dann das Mädchen erst einmal für die nach den deutschen Visa-Bestimmungen möglichen 3 Monate zum Besuch mit nach Deutschland nehmen. Dabei wird er sehen, ob die in Thailand gefundene große Liebe auch dann noch hält, wenn der Mann jeden Morgen um 6 Uhr zur Arbeit fährt, und erst abends um 8 Uhr todmüde nach Hause kommt, während das Mädchen den ganzen Tag über allein mit einem Fernsehprogramm von dem sie kein Wort versteht in der Wohnung hockt, und sich nicht traut allein auf die Straße zu gehen, weil sie kein Wort Deutsch spricht und die Leute nicht lachen, sondern alle so böse gucken. Damit solch eine thai-deutsche Ehe hält, ist erforderlich, daß das Mädchen ehrlich versucht sich den deutschen Lebensumständen anzupassen, vor allem die Sprache zu erlernen, und daß der Mann sich ehrlich bemüht, ihre thaitypischen Verhaltensweisen, von der Angst vor Geistern, bis zur Notwendigkeit Geld nach Hause zu schicken, wenn schon nicht versteht, dann zumindest toleriert und akzeptiert.

Wenn beide intelligent genug sind und sich ehrlich bemühen, dann kann eine solche Ehe auch dann gut funktionieren, wenn ein größerer Altersunterschied besteht. Das Mädchen bringt ihre Jugend und ihre Fähigkeit den Mann zu versorgen (nicht nur im Bett) und der ältere Mann seine Lebenserfahrung und die finanzielle Sicherheit in die Verbindung ein. Dabei nutzt dann keiner den anderen aus sondern gibt was er hat.

 
 
Rassismus und Nationalismus in Thailand    von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Gibt es in Thailand Rassismus und Nationalismus ? Diese Frage mag sich schon mancher gestellt haben, der als in Thailand wohnender Farang sich über die offensichtliche Benachteiligung der Ausländer gegenüber Thais bei allen geschäftlichen und finanziellen Angelegenheiten geärgert hat. Um diese Frage zufriedenstellend zu beantworten zu können, muß man sich zunächst einmal über die unterschiedliche Bedeutung dieser Begriffe in Thailand und Deutschland klar werden.

Rassismus, das heißt die Doktrin von der Überlegenheit der eigenen Rasse, der Notwendigkeit sie rein zu erhalten, und der daraus abgeleiteten Berechtigung, Menschen anderer Rassen zu unterdrücken oder gar zu liquidieren, war eine der Hauptursachen für den Niedergang Deutschlands, und den Verlust an Ansehen in der zivilisierten Welt nach dem letzten Krieg. Der Begriff des Rassismus ist für uns Deutsche daher absolut negativ belastet, und nur ein paar verrückte Neonazis würden sich heute noch dazu bekennen.

Rassismus existierte allerdings nicht nur in der pervertierten Form wie in Nazideutschland. Besondere der englische Kolonialismus rechtfertigte sich durch die Ideologie der Minderwertigkeit anderer Völker, und der Überlegenheit der eigenen weißen Rasse. Den Thai hingegen war ein rassisches Gefühl unbekannt, was zum Beispiel die - im Gegensatz zu den anderen Nationen Südostasiens - relativ gute Integration der Chinesen in Thailand zeigt. Die Thai-Könige waren seit Jahrhunderten Herrscher über eine multi-ethnische Bevölkerung. Ein Drittel der Bevölkerung im Nordosten des Landes ist laotischer oder kambodschanischer Abstammung. Im Süden gibt es eine große malaiische Minderheit, und einige hunderttausend Menschen chinesischer Abstammung bestimmen heute fast das ganze Wirtschaftsleben des Landes. Von Unterdrückung oder gar von Benachteiligung dieser Menschen aus rassischen Gründen gibt es keine Spur. Wenn einige Bergstämme im Norden heute Repressionen ausgesetzt sind, dann steckt dahinter nicht ihre Einschätzung als fremdartige oder minderwertige Rasse, sondern die Tatsache, daß sie durch ihre Anwesenheit die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen dort behindern, und deswegen massiven Geschäftsinteressen im Wege sind. Thais sind also eine multi-ethnische und damit auch multi-kulturelle Gesellschaft. Thailand ist damit allerdings kein Schmelztiegel wie die U.S.A., da hier die verschiedenen Völkerschaften mehr oder weniger in geschlossenen Gebieten siedeln, und ihre kulturellen Eigenheiten weitgehend bewahrt haben.

Thais sind also nach deutschen Begriffen bestimmt keine Rassisten. Zwar nahm in einer kurzen Periode der Thai Geschichte, nach der Regierungsübernahme Phibun Songkrams 1938 mit seiner Losung "Thailand den Thai", der Thai-Nationalismus zeitweise auch rassistische Züge an, unter denen insbesondere die Chinesen zu leiden hatten. Doch Phibuns Ideen, was wahrhaft Thai sei, waren eher primitive Kopien des "fortschrittlichen Westens", und gingen an der Realität der Traditionen des Landes völlig vorbei. Im Gegensatz zu seinem großen Vorbild aus Deutschland jener Tage ist Phibun mit seinem Versuch, den Thais rassistische Ideen einzupflanzen, kläglich gescheitert.

Etwas anders sieht es mit dem Nationalismus aus. Der deutsche Nationalismus der Hitlerzeit, also das Gefühl anderen Völkern überlegen zu sein, und daraus die Berechtigung abzuleiten, den eigenen Lebensraum auf Kosten der Nachbarvölker auszuweiten, war ebenfalls eine der wesentlichen Ursachen für den Zusammenbruch Deutschlands 1945. Folglich ist auch der Begriff Nationalismus für und Deutsche negativ besetzt.

Für die Thais hat der Begriff Nationalismus aber eine andere Bedeutung. Die Thais haben in jahrhundertelangen Auseinandersetzungen mit den Nachbarvölkern ihre Unabhängigkeit errungen, und sich im 19 Jahrhundert gegen Versuche westlicher Kolonialmächte verteidigen müssen, auch Thailand wie alle umliegenden Nachbarländer zu kolonialisieren. Daß dies gelungen ist, trotz äußerst starken Druckes und zeitweiser Besetzung Ayuthayas und Bangkoks durch französische Truppen, hat aber ein tief sitzendes Mißtrauen gegen alle Fremden, vom Weltwährungsfond bis zum Farang-Touristen zur Folge, das den Farangs oft als eine Form von Xenophobie oder gar Nationalismus erscheinen mag. . Einem Thai wurde es nie in den Sinn kommen, sein Land in einer Völkergemeinschaft aufgehen zu lassen, wie es zur Zeit in Europa geschieht.

Es war vor allem  König Rama VI (1910-1925), der mit der politischen Ideologie des Nationalismus den Nationalstolz der Thai zu fördern versuchte. Die Verstärkung des Einheitsbewußtseins der Thai schien ihm ein geeignetes Mittel zu sein, die Souveränität des Landes zu sichern, sowie Anerkennung und Akzeptanz in der internationalen Gemeinschaft zu erleichtern. Der Stärkung des Nationalbewußtseins der Thais wird auch heute offiziell mit allen Mitteln gefördert. Das geht von der täglich mehrmaligen Präsenz des Königs als Nationalsymbol im Fernsehen, dem täglichen Abspielen der Nationalhymne im Fernsehen und Radio (nicht verschämt zum Programmende nach Mitternacht wie bei deutschen Sendern, sondern morgens um 8 und abends um 18 Uhr), bis zur täglichen Flaggenparade mit Absingen der Nationalhymne an allen Schulen. Eine erst vor einigen Jahren gegründete Partei nennt sich "Thai Rak Thai", wörtlich übersetzt "Thais lieben Thais", und ist heute eine der stärksten politischen Kräfte in Thailand.

Thais haben also einen ausgeprägten Nationalstolz, wenn es auch viele Dinge in Thailand gibt, die durchaus keinen Anlaß geben, darüber stolz zu sein, wie z. B. die Korruption, die Prostitution, die hohe Rate an Gewaltverbrechen und vor allem die desolate wirtschaftliche Situation des Landes. Thais sehen aber diese Probleme mit ihren Augen, und legen hier grundsätzlich nicht Farang-Maßstäbe an. Die Korruption war seit jeher in Thailand eher eine Institution als ein Übel. Man hält es für selbstverständlich, daß man einem Staatsdiener, der einem bei einer Angelegenheit behilflich ist, eine gewisse Summe dafür zahlt. Auch die Prostitution wird mit anderen Augen gesehen. Für Thais ist an der Prostitution solange nichts schlecht, solange sie Geld und damit finanzielle Kompensation für einen eventuellen Gesichtserlust bringt. Und an der derzeitigen desolaten wirtschaftlichen Lage sind nicht die eigenen unfähigen Politiker, und die nur an ihrem kurzfristigen Profit interessierten Banker, sondern der Weltwährungsfond schuld, der seine Hilfe für das finanziell angeschlagene Land mit harten Auflagen verknüpft hat.

Thais leiten aus ihrem Nationalstolz zwar nicht die Berechtigung ab, die Angehörigen fremder Völker zu unterdrücken, wohl aber sie mit lächelndem Gesicht auszunehmen, was jeder Farang im Lande am eigenen Leibe täglich erleben kann.

 
 
Auswandern        von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

So mancher Urlauber, der sich in das Land, oder in eine Tochter des Landes verliebt hat, spielt mit dem Gedanken in Deutschland alles aufzugeben, nach Thailand auszuwandern und dort mit wenig Arbeit ein schönes Leben zu haben. Er muss sich aber dabei darüber klar sein, daß ein Farang, der hier in Thailand als Expat leben will, mindestens zwei Dinge braucht. Zum einen eine gesicherte finanzielle Grundlage (Kapital oder Rente) und zum anderen die Bereitschaft die Thai-Mentalität zu akzeptieren. Wer das eine nicht hat, oder das anderen nicht bereit ist zu tun, bleibt besser in Deutschland. Wer meint es genügt, wenn das Geld für das Ticket und die ersten paar Wochen, um zunächst mal hier Fuß zu fassen ausreicht, der sollte diesen Traum schnell wieder vergessen, bevor er die Kohorte der gestrandeten Existenzen vergrößert, die hier an den Bars rumhängen, und versuchen sich durch Ausnehmen gutgläubiger oder mitleidiger Landsleute über Wasser zu halten. Oder aber er sollte in Pattaya bleiben, sich dort mit seinem mitgebrachten Geld amüsieren, und wenn es aufgebraucht ist wieder nach Hause fahren.

In Thailand eine gesicherte finanzielle Grundlage haben, bedeutet man muss sie mitbringen. Wenn jemand hier als Spezialist in einer Thai- oder Farang-Firma eine Anstellung findet, mag er genug für seinen Lebensunterhalt verdienen. Wer aber selbständig ein Geschäft aufmachen will, der braucht schon einiges Kapital, und das Geschäft wird in der Regel auf den Namen seiner Frau laufen. Das heißt in der Konsequenz, wenn die Frau wegläuft, dann ist auch das Geschäft im Eimer und das Geld weg.

Aber auch wenn die finanzielle Grundlage vorhanden ist, und man sich auf seine Frau verlassen kann, so ist es, um hier geschäftlich Erfolg zu haben, erforderlich hart zu arbeiten und sich einzusetzen. Wer in Deutschland nicht seinen Mann steht, mit sich selbst, seiner Umwelt, seinem Beruf, mit den Gesetzen und Vorschriften nicht klarkommt, und meint durch Weglaufen seine Probleme lösen zu können, der sollte den Gedanken nach Thailand auszuwandern schnell wieder vergessen.

Die Aussteigertypen die man hier als angeblich erfolgreiche Barbesitzer antreffen kann, entpuppen sich oft als großmäulige Pleitegeier, deren einziges Bemühen ist, ihren Blutalkoholspiegel nicht unter 2 Promille absinken zu lassen, und deren einziges Interesse es ist, einen gut betuchten Landsmann mit viel Vertrauen und Naivität finden, um diesen dann einen Anteil am eigenen erfolgreichen Unternehmen zu verkaufen.

Die Idee sich mit seinem Geld an einer Bar zu beteiligen, ist aber so ziemlich der sicherste Weg, sein Geld zu verlieren. Der Farang, der als Tourist nach Pattaya oder Phuket kommt, und sich dann überreden läßt sein Geld als Partner in einer Bar zu investieren, weil er der Meinung ist, daß mit seiner Beteiligung nicht nur Geld zu verdienen ist, sondern er sich im Urlaub auch noch billig besaufen kann, der wird über kurz oder lang merken, daß er die Besäufnis in seinem Urlaub wesentlich billiger haben kann, wenn er seinen Anteil schnell wieder verkauft, und zum Trinken in eine andere Bar geht.

Aber auch der Farang, der seit mehreren Jahren in Thailand lebt, die Sprache einigermaßen fließend sprechen kann, und beruflich kompetent ist, wird hier auf die Dauer keinen Erfolg haben, wenn er nicht in der Lage ist, seine finanziellen und beruflichen Fähigkeiten den thailändischen Gegebenheiten anzupassen, insbesondere bei allen seinen Handlungen und Planungen die thailändische Mentalität in Rechnung zu stellen.

 

Brautgeld       von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Wer eine Thai heiratet, der heiratet ihre ganze Familie, und damit die Verpflichtung zu ihrem Unterhalt beizutragen mit, ob ihm das paßt oder nicht. Eine Sache, die den Farangs besonders seltsam vorkommt, ist die Geldsumme die die Eltern erwarten, wenn sich jemand mit ihrer Tochter – ob legal, oder auch nur mit dem Segen der Eltern bzw. Buddhas – zusammentut. Wir sind genau das Gegenteil gewohnt, nämlich, daß der Brautvater seiner Tochter eine Aussteuer mit in die Ehe gibt. Die Summen die in Thailand als Brautgeld gezahlt werden, richten sich weniger nach der Schönheit des Mädchens, als nach der sozialen Stellung und dem Reichtum der Familie, vor allem dann, wenn zu erwarten ist, daß die Braut nach dem Tode der Eltern ein schönes Stück Land erbt. Sie liegen häufig in der Höhe eines Jahresverdienstes oder sogar noch darüber. Während auf dem Land Summe zwischen 20.000 und 50.000 Baht üblich sind, werden in besseren Kreisen in der Stadt auch Summen von einer halben Million und mehr genannt. Wenn in meiner Nachbarschaft jemand heiratet, bekomme ich immer genau erzählt, was die Braut gekostet hat und wieviel Gold der Bräutigam seiner jungen Frau als Brautgeschenk und erste Rate ihrer Zukunftssicherung überreicht hat.

Für den Farang, der in Pattaya oder Phuket ein Mädchen aus dem Isaan kennengelernt hat, und sie heiraten will, ist die Versuchung natürlich groß, sich um diese, nach seiner Meinung nicht erforderliche Zahlung zu drücken, und das Mädchen ohne die entsprechende Formalität mit nach Europa zu nehmen. Er muss sich aber darüber klar sein, daß das Mädchen ihrer Familie gegenüber ihr Gesicht verliert, und das kann eine schwere Belastung für das harmonische Zusammenleben bedeuten. Das gilt auch für die moralische Verpflichtung der Tochter ihrer Familie in Thailand regelmäßig Geld zu schicken. Solch eine regelmäßige Zahlung birgt natürlich die Gefahr, daß Vater und Brüder des Mädchens nun meinen ausgesorgt zu haben, und sich einen guten Tag machen. Die monatliche Summe sollte deshalb nicht zu hoch, aber auch nicht zu klein sein, um eine Familie, die ihrer Tochter mit einem Farang verheiratet hat, nicht vor den Nachbarn bloßzustellen. Nach meiner Erfahrung sind ca. 5000 Baht monatlich ein Betrag, der nicht ausreicht, um die ganze Familie auf der faulen Haut liegen zu lassen, aber doch so hoch ist, daß die Tochter als gutes Mädchen, und der Schwiegersohn als ein Mann gilt, der weiß was sich gehört.

 
 
Abzocke      von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Wenn ich in vielen Leserbriefen in den deutschsprachigen Veröffentlichungen die in Thailand erdcheinen wie Farang, Eiermann-Kurier, TIP, usw. Immer wieder die Klagen von Farangs lese, die von ihren Thai Freundinnen abgezockt wurden, dann fällt mir dazu nur ein, daß zum Abzocken immer zwei gehören, einer der abzockt und einer der sich abzocken läßt.

Diese Binsenweisheit sollte jedem Farang mit gesundem Menschenverstand einleuchten. Nun ist es aber eine unbestreitbare Tatsache, daß dieser Verstand vielen Farangs bei der Ankunft in Thailand plötzlich abhanden kommt, vielleicht auch daß sie ihn bei der Gepäckaufbewahrung Im Flughafen Bangkok abgeben, weil sie zwar der richtigen Meinung sind, daß sie dieses unentbehrliche Requisit bei ihrer Rückkehr nach Europa wieder benötigen, aber der falschen Ansicht sind, beim Verkehr mit dummen! Barmädchen darauf verzichten zu können.

Um diese armen Leidensgenossen (ich habe vor langer Zeit auch mal dazu gehört) ein wenig zu helfen, habe ich hier einige Ratschläge aus über 20 Jahren Thailand-Erfahrung aufgeschrieben. Diese Erfahrung stammt nicht nur aus den Bars von Pattaya und Phuket, sondern auch aus dem kleinen Dorf im Itsan in dem ich seit ein paar Jahren wohne. Da aus vielen Familien hier im Dorf eine Tochter in Pattaya arbeitet, habe ich Gelegenheit, das Problem der Abzocke auch mal von der anderen Seite her zu sehen und besser zu verstehen (was nicht mit gutheißen verwechselt werden darf).

Geld hat in Thailand eine andere Bedeutung als bei uns. Nicht nur daß man sich für Geld eine Menge schöner Sachen kaufen kann, sondern Geld bedeutet auch Ansehen, vor allem auf einem kleinen Dorf. Dazu gehört natürlich zunächst einmal daß man Geld hat, dann aber auch, daß man dies zur Schau stellt. Dies geschieht z.B. indem die Tochter, die in Pattaya einen oder mehrere gut betuchte Sponsoren gefunden hat, beginnt ein Haus im Farang Stil zu bauen, in dem sich zwar kein Thai wohl fühlt, das aber furchtbar reich aussieht. Aber auch schon eine nagelneue Singer-Nähmaschine macht sich ganz gut. Zwar kann kein Mensch in der Familie mit dem komplizierten Apparat etwas nähen, aber da niemand anderes im Dorf solch eine Wundermaschine besitzt, gewinnt die Familie eine Menge Gesicht, wenn sie das Prunkstück in ihrer Hütte zur Schau stellt.

Die Summen die für solche Anschaffungen erforderlich sind, liegen für die in den Itsan- Dörfern in ärmlichsten Verhältnissen lebenden Menschen normalerweise außerhalb jeder Möglichkeit. Tatsächlich gibt es heute aber in fast jedem Dorf hier ein, meist auch mehrere Mädchen die in einer Bar arbeiteten, und damit in der Lage sind nicht nur ihrer Familie ein besseres Auskommen zu sichern, sondern auch das Ansehen der Familie zu heben.

Was Wunder, daß jedes hübsche Dorfmädchen davon träumt, nicht nur auch so viele Goldketten zu haben, wie ihre Freundin vorzeigt, wenn sie aus Pattaya einmal im Jahr, meist zu Songkhran, zu Besuch nach Hause kommt, sondern auch so viel Geld zu verdienen und damit das Ansehen der Familie zu heben.

Tatsächlich wird zwar in den meisten Fällen der Verdienst eines Mädchens, die es vielleicht einmal in der Woche, vielleicht aber auch nur einmal im Monat schafft, einen Farang an der Bar anzumachen, gerade ausreichen um ihren eigenen Lebensunterhalt in Pattaya sicherzustellen und noch 2000 oder 3000 Baht nach Hause zu schicken, wofür die Familie dann noch ihr Kind oder ihre Kinder durchziehen muß. Hat sie aber das Glück und trifft auf einen Goldesel, der so verliebt ist, daß ihm die Tausend-Baht -Scheine nur so aus der Tasche fallen, dann wird sie keine moralischen Bedenken haben, diese seltene Chance auch zu nutzen. Es ist schließlich die einzige Chance Karriere zu machen, die es für sie gibt. Diese Karriere die ihr im Regelfalle offensteht, besteht darin, eines Tages in ihr Dorf zurückzugehen, in einem schönen Haus zu wohnen, vielleicht einen kleinen Kramladen zu betreiben und mitsamt ihrer Familie ein höheres Ansehen zu haben, als bevor sie nach Pattaya ging. Womit sie in Pattaya das Geld verdient hat, wird niemanden stören. Der Umstand daß sie um das schöne Geld zu verdienen für viele Farangs die Beine breit machen mußte, ist der Familie zwar klar, wird aber einfach verdrängt.

Warum dieser uns Europäer besonders befremdende Aspekt – denn wer von uns würde schon seine Tochter auf die Straße schicken um für die Familie Geld anzuschaffen - die Familie überhaupt nicht berührt, ist mir auch nach vielen Jahren im Itsan noch nicht klar geworden. Aber es ist nun mal so, und der Farang tut gut daran sich daran nicht zu stören, sondern es als Fakt hinzunehmen.

Wie Thais diese Dinge sehen, hat mir einmal meine Thai-Frau klargemacht, als sie sah, wie am Swimmingpool unseres Hotel ein paar junge Farang Frauen sich oben ohne sonnten. Sie war der Ansicht, daß sich jede Thai-Frau schämen würde, sich so vor fremden Männern zu zeigen. Als ich sie daraufhin daran erinnerte, daß wir am Tag vorher in einer Go-Go-Bar gesehen hatten, wie sich blutjunge Thai Mädchen halb oder ganz nackt präsentierten, meinte sie, das wäre doch etwas ganz anderes. Schließlich würden die Mädchen dort arbeiten und bekämen gutes Geld dafür.

Es wäre tatsächlich falsch, aus der Bereitwilligkeit mit der die Mädchen an den Bars ihren Körper anbieten auf die sexuelle Moral der Thai-Frauen insgesamt zu schließen. Während Thai-Ehemänner bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch die Gegend bumsen, oder wenn ihnen danach ist, sich eine Mia Noi nehmen und ihre Familie einfach sitzen lassen, kommt es dort wo die Mädchen her kommen, praktisch nicht vor, daß eine Ehefrau fremd geht. Wenn es einmal passiert, daß eine Frau ihren Mann verläßt, dann hat er ihr in der Regel übermäßig Grund dafür gegeben, z.B. durch dauerndes Fremdgehen, oder indem er ihr kein Geld für den Unterhalt der Familie gibt, oder wenn er sie im Suff laufend verprügelt.

Klar muß sich der Farang, der sich in ein Mädchen verliebt, die in Pattaya oder Phuket an einer Bar arbeitet, aber immer darüber sein, daß die gegenseitigen Motive völlig unterschiedlich sind. Er hat sich in das Mädchen schlicht verliebt, genießt das Zusammensein mit ihr und natürlich besonders das Zusammenschlafen. Für sie hingegen ist die ganze Beziehung vor allem Arbeit. Sie ist natürlich lieber mit einem netten Kerl, der sie verwöhnt zusammen, als mit einem Rüpel, für den sie nur ein Sexualgegenstand ist. Sie wird aber nie ihr Ziel Geld aus ihm herauszuholen, und zwar so viel wie möglich, aus den Augen verlieren .

Nun weiß ich, daß einige Farangs die all dies lesen sagen werden, das mag ja alles ganz richtig sein, aber auf meine Freundin trifft das nicht zu, sie liebt wirklich mich, nicht mein Geld. Diesen kann ich nur folgenden Rat geben:

Sei vorsichtig mit dem Verlieben. Sei dir immer darüber klar daß du für das Mädchen der Geldbringer und nicht die große Liebe bist. Sollte dir das schwer fallen, dann stell dich einmal im Spiegel neben deine Freundin und versuche dir selbst nichts vorzumachen.

Solltest du aber wirklich eine ernsthafte und dauerhafte Beziehung haben wollen, dann mußt du versuchen die Lebensart der Thais im allgemeinen, und das Verhalten deiner Freundin speziell aus ihrer Herkunft und ihren Motiven heraus zu verstehen. Dazu gehört auch, daß du zwar nicht knickrig bist, die Taschen aber nur so weit aufmachst, daß es dir nicht wehe tut, oder gar deine Ersparnisse ruiniert. Das Mädchen hat keine Ahnung wie deine finanziellen Verhältnisse sind. Sie hält dich grundsätzlich für reich und hat deswegen keine Bedenken dir so viel Geld aus der Tasche zu ziehen wie irgend möglich. Denke immer an die schon oben angeführte Binsenwahrheit, daß zum Abzocken immer zwei gehören, einer der abzockt und einer der sich abzocken läßt.

Zum Schluß noch ein spezieller Ratschlag:

Wenn du am Strand ein Mädchen triffst, die sich nett mit dir unterhält, dazu ganz gut englisch spricht, angeblich nicht anschafft, aber trotzdem gerne bereit ist mit dir zu schlafen, sei vorsichtig. Wenn sie dann am nächsten Morgen das Geld das du ihr geben willst ablehnt, weil sie 'nicht so eine ist', sei doppelt vorsichtig. Erfahrungsgemäß kommt dich solch eine Dame, mit der du dann, weil sie 'nicht so eine ist', länger zusammenbleibst, am Schluß um ein Vielfaches teurer, als ein Mädchen das nach einer netten Liebesnacht gerne die 500 oder 1000 Baht nimmt die du ihr gibst, sich mit einem tiefen Wai dafür bedankt und hofft, daß du am nächsten Abend wieder an ihrer Bar erscheinst um sie zu treffen.

 
 
Ehe und Familie       von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Auch in Thailand ist es erforderlich, daß sich Mann und Frau zusammentun, um eine Familie zu gründen und Kinder zu zeugen. Und in der Regel wird neben der rein biologischen Anziehung, also der Freude am Sex, auch das dabei sein, was man allgemein mit dem vieldeutigen Begriff Liebe bezeichnet. Zwar gibt es in Thailand die gesetzliche Ehe, die amtlich registriert wird, und bei der beide Partner gesetzlich definierte Rechte und Pflichten übernehmen, und sie ggf. auch einklagen können. Diese förmliche, gesetzliche Eheschließung wird auf dem Lande aber praktisch nicht praktiziert. In der Regel zieht man einfach zusammen, eventuell noch mit dem elterlichen und priesterlichen Segen versehen.

Zwar ist eine aufwendige Hochzeitsfeier von der Seite der Eltern immer erwünscht, um die Eheschließung vor dem gesamten Dorf zu dokumentieren. Es genügt aber auch ein gemeinsames Zusammenleben über einen längeren Zeitraum, und das Vorhandensein gemeinsamer Kinder, um in der Gesellschaft als verheiratet zu gelten.

Falls aber die Ehe wirklich offiziell geschlossen und bei der Ortsbehörde in ein Register eingetragen wird, so gilt auch in Thailand seit 1932 gesetzlich die Einehe. Da sich althergebrachte gesellschaftliche Gewohnheiten aber nicht so schnell ändern lassen wie Gesetze, heißt das in der Praxis, daß der wohlhabendere Mann sich eine Hauptfrau (mit Lizenz), und eine oder mehrere Nebenfrauen hält. Da aber nur die Hauptfrau gesetzliche Ansprüche hat, kann er die Nebenfrau und ihre Kinder jederzeit verlassen wenn ihm danach ist, ohne daß diese irgendwelche Versorgungsansprüche haben oder gesetzlich einklagen könnten. Die neuen Ehegesetze haben im Prinzip also für die Frauen wenig Besserstellung gebracht. Auch ist Bigamie nach Thai-Gesetzen zwar nicht erlaubt, aber auch nicht strafbar wie in Deutschland. Wer also, obwohl er schon eine gesetzlich angetraute Ehefrau besitzt, noch einmal gesetzlich heiratet, und dabei angibt noch nicht verheiratet zu sein, hat lediglich durch die falschen Angaben eine Ordnungswidrigkeit begangen und riskiert, falls die Geschichte auffliegt, lediglich eine Ordnungsstrafe, in der Regel eine Geldstrafe. Allerdings wird dann die zweite Ehe ungültig sein. Für junge Frauen vom Lande ist das Verhältnis mit einem verheirateten Mann oft die einzige Chance der trostlosen Armut zu Hause zu entkommen. Dabei braucht das nicht immer ein Thai-Mann zu sein; auch Europäer sind hier willkommen. Hiermit ist keineswegs ein gesellschaftlicher Makel verbunden, da im Gegensatz zu uns, die Ehe mit mehreren Frauen in Siam über Jahrhunderte durchaus die Regel war.

Eine Nebenfrau, "mia noi" genannt, zu haben, ist in Thailand also auch heute noch üblich., und gilt in wohlhabenderen Kreisen als Statussymbol. Aber auch hier sind bestimmte Regeln einzuhalten. Ein Thai Sprichwort sagt: Die "mia luang" (Hauptfrau) ist wie die Buddha-Figur auf dem Hausaltar. Sie muß in Respekt gehalten und entsprechend unterhalten werden. Die "mia noi" ist wie das Buddha-Amulett, das man immer auf der Brust trägt. Sie bringt Glück und Wohlbefinden und muß deshalb natürlich auch gut unterhalten werden (wofür sie allerdings in der Regel schon selber sorgen wird).

Da die gesetzliche Ehe in Thailand auch heute noch die Ausnahme ist und nur in besseren Kreisen und in den Städten praktiziert wird, liegt es, wenn einmal Kinder da sind und die sexuelle Anziehung nachläßt, ganz im Belieben des Mannes, wie er seine Familie versorgt oder ob er gar, wie es sehr häufig der Fall ist, Frau und Kinder einfach sitzen läßt und sich eine neue Frau nimmt. Die thailändische Frau hat also gegenüber ihrem Mann und dem Vater ihrer Kinder keinerlei gesetzlich durchsetzbaren Versorgungsansprüche, zumindest wenn sie nicht gesetzlich verheiratet ist. Sie muß von Anfang an um ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder kämpfen. Weil das aber schon immer so war, und weil das junge Mädchen es von seinen Eltern und älteren Schwestern nicht anders kennt, ist es darauf auch eingestellt und dazu in der Lage.

Wer also der Meinung ist, daß die Thai-Frau in der Ehe sanft und unterwürfig ist, der irrt sich. Eine Thai-Frau, vor allem wenn sie nicht durch einen Ehevertrag abgesichert ist, weiß, daß Goldketten und evt. auch Geld auf ihrem Sparbuch weit angenehmer und beruhigender sind, als das was der Mann ihr an Zärtlichkeit und Liebessprüchen zu bieten hat und sie richtet sich in jeder festen Bindung von Anfang an darauf ein.

Sie kann sehr lieb und anschmiegsam sein, vor allem wenn sie etwas von ihrem Mann haben will. Sie kann aber auch hart fordern und zum nervtötenden Biest werden, wenn sie nicht bekommt, worauf sie Anspruch zu haben glaubt. Dazu muß man sich aber klar machen, daß die Thai-Frau eben darauf eingestellt ist, nicht nur das für den täglichen Lebensunterhalt der Familie Erforderliche ihrem Mann abzuverlangen, sondern daß sie, mangels durchsetzbarer Versorgungsansprüche, auch möglichst viel materielle Sicherheit für sich und die Kinder für die Zeit anzusammeln sucht, in der er sie später eventuell verläßt.

Daher das dauernde Verlangen nach den für Thailand typischen Goldketten aus massivem 24 karätigem Gold. Je mehr davon, desto besser. Gold ist in Thailand gleich Geld. Das massive Schmuckgold der Halsketten und Armbänder kann buchstäblich an jeder Straßenecke mit geringem Abschlag wieder zu Geld gemacht werden, wenn es die Not erfordert. Außerdem kann es natürlich sichtbar getragen werden. Vor allem bei festlichen Anlässen wird jedes bißchen Goldschmuck angelegt, zum einem um mehr 'Gesicht' zu haben, zum anderen um die anderen Frauen neidisch zu machen. Das bringt wesentlich mehr als die paar Prozent Zinsen, die man bekommen würde, wenn man statt dessen das Geld zur Bank tragen getragen hätte.

Aus dieser unterschiedlichen Einstellung zu den finanziellen Grundlagen des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau entsteht auch der größte Teil aller Probleme in thai-deutschen Ehen oder eheähnlichen Gemeinschaften. Man hat die liebevolle und zärtliche Traumfrau in Thailand getroffen, sie mit nach Deutschland genommen und jetzt beginnt das tägliche Zusammenleben. Das Mädchen hat einen nach ihrer Auffassung reichen Mann geheiratet. Denn wer soviel Geld für den Flug und ein teures Hotel ausgeben kann und sich auch im Schwung der ersten Liebe als nicht kleinlich zeigt, der muß eben reich sein, auch wenn er als lediger kleiner Angestellter monatlich vielleicht nur dreitausend DM netto nach Hause bringt. Das ist für Thai-Verhältnisse viel Geld; etwa soviel, wie ein höherer Staatsbeamter verdient.

Von diesem Geld muß in Deutschland nun aber nicht nur die Wohnungsmiete, der tägliche Lebensunterhalt, die Kleidung und evt. auch noch das Auto bezahlt werden. Die Frau hat auch die moralische Verpflichtung, ihrer Familie in Thailand regelmäßig etwas Geld zukommen zu lassen. Dazu kommen oft noch Unterhaltsverpflichtungen für ein oder gar mehrere Kinder von ihrem ehemaligen Thai-Mann, die sie bei der Oma in Thailand in Pension gelassen hat. Schickt sie kein Geld, hat sie vor ihrer Familie und den Nachbarn ihr Gesicht verloren, eine schlimme seelische Belastung für eine Thai-Frau alleine in der Fremde, wofür ihr deutscher Mann meist überhaupt kein Verständnis hat. Er hat vielleicht ein ganzes Jahr für die Reise nach Thailand gespart, hat viel Geld ausgegeben, um die Frau nach Deutschland zu holen, hat vielleicht auch den Eltern bei einem Besuch eine anständige Summe gezahlt, und ist nun der Meinung, sich finanziell weit genug aus dem Fenster gelegt zu haben.

Der Ehemann hat nun zunehmend das Gefühl, nur als Goldesel zu dienen und hat dann irgendwann mal die Nase voll. Dann gibt es den üblichen Ehekrach, bei dem es, wie übrigens auch bei deutschen Ehepaaren, meist ums Geld geht. Für die Thai-Frau geht es, wie aufgezeigt, aber zusätzlich um ihr Gesicht und um ihre verständlichen Versorgungsängste für sie und ihre in Thailand zurückgelassenen Kinder. Bei solchen ehelichen oder außerehelichen Auseinandersetzungen können Thai-Frauen, die solche Situationen von zu Hause ja bestens kennen, durchaus mithalten. Die Tatsache, daß man sich mangels ausreichender Sprachkenntnisse auf ein paar, dafür um so kräftigere Schimpfworte beschränken muß, tut der Sache keinen Abbruch; zusätzlich kann man ja noch in der eigenen Sprache nachlegen. Wenn der andere das auch nicht versteht, so erleichtert es einem doch wenigstens das Herz.

Geld gehört nun einmal zu einer funktionierenden Ehe, mindestens genauso wie Liebe, das ist letztlich in Deutschland so wie in Thailand. Darüber hinaus ist es aber für einen deutschen Mann natürlich besonders schwer, das Gefühlsleben seiner Thai-Frau zu verstehen. Zu den üblichen Problemen für jeden Mann, sich in der Denkweise einer Frau zurechtzufinden, kommt hier noch die durch den vollkommen unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergrund gegebene Art und Weise, familiäre und finanzielle Probleme anzugehen. Es wird ihm vor allem besonders hart ankommen, sich mit den finanziellen Forderungen seiner Thai-Frau abzufinden, die, wie er glaubt, ihn nur aus Liebe geheiratet hat und die ihm nun tagtäglich dafür dankbar sein müßte, daß er sie aus dem Sumpf herausgeholt hat.

Meine Frau hat mir diesen Sachverhalt einmal auf ihre Art klar gemacht. Als ich sie fragte, warum sie denn nun gerade bei mir hängen geblieben ist, ob wegen meines Geldes oder weil sie mich liebt, bekam ich die Antwort "Das ist doch eine ganz dumme und überflüssige Frage. Wenn du kein Geld hättest, könnte ich dich nicht lieben, denn wer würde dann für mich und meine Kinder sorgen. Aber wenn ich dich nicht lieben würde, dann könntest du soviel Geld haben wie du willst, dann würde ich nicht so lange mit dir zusammenleben.'

 


Jeder Farang, der länger mit Thais zusammenlebt, wird sich über das Nebeneinander von Buddha-Verehrung und Geisterglaube gewundert, und sich die Frage gestellt haben, ob die Thais denn nun Buddhisten oder Animisten sind. Wenn man dieser Frage etwas näher auf den Grund geht, bekommt man auch ein besseres Verständnis dafür, was die Thais fühlen und denken, kurz was ihr Leben bestimmt.

Fangen wir zunächst einmal mit dem Glauben an die Geister an. Wir Farangs neigen dazu, den Begriff Geister mit unserem deutschen Begriff Gespenster gleich zu setzen. Das ist aber der erste schwere Fehler, den man machen kann, wenn man das Benehmen der Thais mißverstehen will. Für die Thais ist das, was wir mit unseren 5 Sinnen wahrnehmen, nur ein Teil des Universums (was übrigens verblüffend dem heute wissenschaftlich anerkannten Verständnis des Kosmos entspricht). Neben all den Lebewesen die Gestalt haben, und mit den Augen wahrgenommen werden können, ist die Welt mit Wesen bevölkert, die keine für uns sichtbare Gestalt haben, aber unser tägliches Leben und Schicksal erheblich beeinflussen können.

Da sind zunächst die an einen Ort gebundenen Geister, von denen der Hausgeist Phra Phum, dem vor jedem Haus ein Wohnsitz zur Verfügung gestellt wird, mit am bekanntesten ist. Er ist der eigentliche - wenn auch nicht grundbuchamtlich eingetragene - Besitzer des Landes. auf dem das Haus steht. Er kann den Bewohnern des Hauses Glück und Wohlergehen sichern, aber auch das Gegenteil, also Unglück und Krankheit bringen. Es ist daher wichtig, den Hausgeist bei guter Laune zu halten, und ihm zu zeigen, daß man ihn schätzt. Das geschieht, indem man sein Häuschen in Ordnung hält, ihm regelmäßig kleine Schälchen mit Nahrung und Getränken hinstellt, und seinen Wohnsitz auch ab und zu einen Blumenkranz schmückt. Da der Hausgeist aber auch die Macht hat, das tägliche Leben der Menschen zu beeinflussen, wendet man sich auch an ihn, wenn man einen irgend Wunsch hat. Man trägt ihm sein Anliegen in einem stillen Gebet vor, und verspricht dabei dem Geist bei Wunscherfüllung ein kleines Geschenk, etwa einen schönen Holzelefanten, oder auch eine Flasche Reisschnaps. Das ganze ist mehr oder weniger ein Geschäft, man bestellt etwas, und muß dann natürlich bei Lieferung, also bei Erfüllung der Bitte, den Kontrakt auch einhalten. Tut man das nicht, hat man sich das Übelwollen des Geistes zugezogen, und das kann böse Folgen haben.

Eine andere Kategorie der ortsgebundenen Geister, sind die Geister die an einem besonders verehrungswürdigen Ort wohnen, und die manchmal große Macht haben, wie z. B. der Geist der in dem Standbild eines Hindugottes, oder auch einer Buddha Statue wohnt. Während der Einfluß des Hausgeistes sich mehr oder weniger auf die Menschen beschränkt, die in dem Haus wohnen, können die an einem verehrungswürdigen Ort wohnenden Geister auch überregional tätig werden. Wer eine größere Reise antritt, kann sich gegen die Gefahren auf dieser Reise also absichern, indem er vorher solch einen Geist um Schutz bittet, und ihm selbstverständlich auch eine Gegenleistung verspricht. Also ein schönes Geschenk, oder oft auch eine Tanz- oder auch Theatervorführung, die einige dieser Geister besonders mögen. Mancher Farang wird sich schon an den Vorführungen der Tempeltänzerinnen am Erawan Schrein, oder an dem Likeh-Theater am Stadttempel, gegen über dem Königspalast in Bangkok erfreut haben, ohne zu wissen, daß diese Vorführungen nicht das geringste mit dem Buddhismus zu tun haben, sondern rein geschäftlichen Abmachungen zwischen einem Individuum und einem einflußreichen Geist dienen. Der Geist kann auch weiblichen Geschlechts sein, er wird dann vor allem von Frauen angerufen, die z. B. ein Kind haben möchten, oder Probleme mit ihren ungetreuen Ehemann haben. Solche weiblichen Götter mögen als Geschenk vor allem Lingams, und so sind deren Schreine auch meist mit diesen Holzpenissen in allen Größen überladen.

Schließlich gibt es auch noch die bösen Geister, die den Menschen ärgern, oder ihm übel wollen. Sie haben keinen festen Wohnort, sondern irren in der Gegend umher, und suchen sich ihre Opfer. Diese Geister kann man kaum durch Geschenke beeinflussen, sie haben ja keinen Standort, an dem man die Gaben deponieren könnte. Man kann aber einen guten Geist gegen sie mobilisieren, und um seinen Schutz gegen die bösen Geister bitten. Schutz gegen böse Geister bieten auch geweihte Amulette oder Tätowierungen. Die Tätowierungen die man bei Thai-Männern oft sieht, dienen also nicht der Zierde, wie bei Farangs, sondern haben eine Schutzfunktion.

All die Opfer und Gebete an Orten. an denen ein guter oder einflußreicher Geist wohnt, haben aber nur Bedeutung für das tägliche Leben, keineswegs für das Jenseits. Es sind reine geschäftliche Transaktionen nach dem Motto: ich bestelle, du lieferst, ich bezahle. Da die Thais gewohnt sind, daß jeder Mensch mit einigem Einfluß, egal ob ein Beamter oder Polizist, erst einmal Geld sehen will, bevor er etwas unternimmt, wird auch dem Geist allgemein bei der Bestellung eines Wunsches schon eine kleine Gabe, sozusagen als erste Rate für das Geschäft gezahlt.

Kommen wir nun zum Buddhismus. Hier sind zunächst zwei Dinge festzuhalten. Zum einen, daß Buddha kein Thai, sondern ein in der brahmanischen Überlieferung aufgewachsener indischer Fürstensohn war, seine Wertvorstellungen also ganz andere waren, als die der Thais. Zum andern ist der Buddhismus heute zwar Staatsreligion in Thailand, hat aber mit der Lehre die Buddha einst verkündet hat, genau so wenig zu tun, wie die Dogmen der katholischen Kirche mit dem Urchristentum. Hinzu kommt, daß die Thai Pragmatisten, und keinesfalls Dogmatiker sind. Sie haben also nicht nur die Lehre Buddhas über 2 Jahrtausende ihren eigenen Wertvorstellungen angepaßt, so daß in vielen Klöstern heute die althergebrachten Riten nur noch leere Form sind, und die Mönche, und vor allem die Äbte, genau so nach Besitz streben wie alle Thais, sondern auch die Laien halten von den Geboten Buddhas nur soviel ein, wie es ihnen gerade nützlich erscheint.

Die Lehre Buddhas ist keine Religion, sie kennt kein Dogma, sondern sie beschreibt den Weg, die der Mensch gehen muß. um sein Kharma so zu beeinflussen, daß er nach vielen Existenzen schließlich das Nirvana erreicht. Wenn die Thais im Tempel opfern, oder die jungen Männer für ein paar Monate ins Kloster gehen, dann dient das nicht der Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse, oder ihres Schicksals, sondern "tam boon" dient ausschließlich zur Verbesserung des Kharmas, und kann sich erst im nächsten Leben auswirken.

Wenn man all dies betrachtet, also berücksichtigt, daß die Geister für das Leben auf dieser Erde, und das nur kurzfristig zuständig sind, so daß man ihr Wohlwollen und ihren Schutz immer von neuem erkaufen muß, die Lehre Buddhas aber das Kharma, und damit das nächste Leben bestimmt, dann kommt einem der Dualismus, der das Thai-Leben bestimmt, gar nicht mehr so seltsam vor. Der Umstand, daß der Buddhismus keine Sünde kennt, sondern nur eine Station, die man auf dem Wege zum Nirvana jeweils erreicht hat, bietet auch eine gewisse Erklärung für das Verhalten der Mädchen an den Bars von Pattaya. Sie sind jung, und können es sich daher leisten, auf dem Weg zur Erkenntnis, wie ihn Buddha vorzeichnet, ein paar Jahre anzuhalten, um ihn später, meist im Alter wieder fortzusetzen. Gleichzeitig ist die Unterstützung der Angehörigen, die ihnen ihre durch ihre in unseren Augen unmoralische Tätigkeit ermöglicht wird, "tam boon" und wird ihr Kharma günstig beeinflussen.

Guenther Ruffert

 
 
Geister     von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Der Geisterglaube gibt wie die Religion den Menschen in Thailand eine gewisse Lebens- und Handlungssicherheit. Wenn man ihnen diese wegnimmt, werden sie haltlos und unsicher. Für Thais ist der ganze Kosmos von Engeln, Dämonen, Vampiren, kurz von überirdischen Wesen belebt. Geister, das heißt Wesen die wir nicht wahrnehmen können, sind in jedem Haus, jedem Baum, jedem Reisfeld, jedem Fluß. Wer einigermaßen unbeschadet durchs Leben kommen will, muß sich mit diesen Geistern gut stellen, sie möglichst freundlich stimmen und ihnen regelmäßig Opfergaben bringen.

In Thailand gibt es eine Unmenge verschiedener Geister. Da sind zunächst die guten Geister, die dem Menschen helfen, ihn beschützen und vielleicht seine Wünsche erfüllen. Alle wollen allerdings auch entsprechend gebeten, mit Opfergaben günstig gestimmt und bei Erfüllung der Wünsche belohnt werden. Einige guten Geister helfen bei der Heilung von Krankheiten, andere bei der Suche nach verlorenen Gegenständen, und wenn man Glück hat, hilft einem ein guter Geist auch bei der Wahl der richtigen Lotterienummer.

An Gelegenheiten die Geister freundlich zu stimmen fehlt es nicht. Jede Wohnung hat ihren Hausaltar, und vor jedem Haus steht ein oder zwei Geisterhäuschen, in denen man den Geistern opfern kann. An jeder Straßenkreuzung werden kleine Kränze mit frisch aufgezogenen Blüten verkauft, die zu Hause über den Hausaltar oder aber vor dem Haus an ein Geisterhäuschen gehängt werden, um das Wohlwollen der Geister zu gewinnen.

Mit den bösen Geistern die außerhalb des Hauses bzw. des Dorfes lauern ist es etwas schwieriger. Sie sind nicht näher bekannt und daher unkalkulierbar. Sie wären in unserem Sprachgebrauch etwa als Gespenster zu bezeichnen. Davon gibt es ganz grausliche Typen, wovon man sich in jedem zweiten Thai Film überzeugen kann. In der Wirklichkeit quälen sie die Menschen vor allem nachts im Traum. Schützen kann man sich gegen die bösen Geister mit Tätowierungen, Amuletten oder indem man eben durch eifriges Opfern die guten Schutzgeister gegen sie mobilisiert. Besondere Angst vor den bösen Geistern haben natürlich die Frauen, vor allem die jungen Mädchen. Das hindert sie aber nicht daran, sich am liebsten Grusel- und Horrorfilme anzusehen, oder Comic-Hefte mit Geistergeschichten zu verschlingen. Je gruseliger es darin zugeht, um so besser kann man sich dann fürchten, wenn es dunkel wird.

Thais wären aber keine Thais, wenn sie nicht auch versuchen würden die Geister zu beschummeln, schließlich sind es ja auch thailändische Geister. Wenn z.B. ein Baby geboren wird, darf man die stolze Mutter nicht etwa zu dem hübschen Kind beglückwünschen. Das könnten böse Geister hören und das Kind stehlen. Man gratuliert der Mutter also zu dem häßlichen Kind und alle grinsen dabei und wissen, wie es gemeint ist. Auf der anderen Seite muß man das, was man einem Geist für die Erfüllung eines Wunsches versprochen hat, z. B. einen schönen Holzelephanten oder auch eine Flasche Reisschnaps, auch wirklich geben, wenn der Wunsch erfüllt worden ist, sonst kann der Geist sehr ärgerlich werden und einem böse Dinge antun.

Wenn meine Frau auf den Markt geht und Früchte mitbringt, wird immer etwas davon für die Geister abgezweigt, bevor die Familie sich über das Mitgebrachte hermacht. Auf meine etwas spöttische Frage, ob sie denn tatsächlich glaube, daß die Geister sich an den aufgestellten Früchten laben, antwortete sie mir einmal: 'Du hast mir doch erzählt, daß ihr zum Geburtstag deiner Mutter an ihrem Grab Blumensträuße hinlegt. Glaubt ihr denn etwa, daß der Geist der Mutter aus dem Grab herauskommt und an den Blumen schnuppert'. Dazu war nun nichts mehr zu sagen.

Geister sind eben immaterielle Wesen, die den guten Willen für die Tat nehmen, als Zeichen, daß an sie in respektvoller Form gedacht wird. Dementsprechend wäre es auch eine Todsünde, die allerdings von unverständigen Farangs manchmal begangen wird, sich im Vorbeigehen eine frische Banane oder Orange von einem vor dem Geisterhäuschen stehenden Teller zu schnappen. Solch eine schwere Beleidigung der Geister kann böse Strafen, wie Unfälle oder Krankheiten nach sich ziehen, und zwar nicht nur für den Sünder, sondern auch für den Hausbesitzer, der nicht besser aufgepaßt hat. Der Farang darf sich also nicht wundern, wenn in solch einem Falle die Thais unverhältnismäßig hart reagieren. Nach meiner Erfahrung ist so eine Beleidigung des Hausgeistes ein viel schwererer Fauxpas, als einem Kind über den Kopf zu streicheln oder auf eine Banknote, die ja immer das Bild des Königs trägt, zu treten, wenn sie einem aus der Hand geglitten ist und wegzufliegen droht. Vor diesen kleinen Tabuverstößen wird zwar in jedem Reiseführer gewarnt, sie lassen aber den Durchschnitts-Thai völlig kalt.

Thais werden also immer versuchen, sich vor allem mit denjenigen Geistern, mit denen sie täglich zu tun haben, also mit den Hausgeistern, möglichst gut zu stellen. Dabei behandeln sie die Geister nicht viel anders als wie menschliche Wesen, die einem nützen oder schaden können. Je nach Situation wird man dem jeweiligen Geist schmeicheln, ihn um etwas bitten, ihn bestechen oder beschummeln, ihn belohnen wenn er geholfen oder auch schon mal mit ihm schimpfen, wenn er nicht geholfen hat. Da es in Thailand nichts umsonst gibt, wollen auch die Geister für ihre Hilfe bezahlt werden, z.B. mit einer Flasche Mekhong-Whisky oder einem schönen Holzelefanten. Um das Geschäftsrisiko möglichst klein zu halten, kriegt der Geist das Versprochene aber erst bei Erfüllung des Wunsches. Hat er aber nicht geholfen, dann kriegt er eben nichts.

Im Haus der Eltern meiner Frau steht in der Ecke der Hausaltar, auf dem friedlich neben einigen Urnen mit der Asche von Familienmitgliedern, ein paar Holzelefanten und einigen bunten Figuren, die an Kinderspielzeuge erinnern, auch immer ein paar Flaschen Schnaps stehen. Wer in der Familie ein Anliegen an den Hausgeist hat, sei es daß er bei Zahnschmerzen helfen, Regen oder einen Lotteriegewinn bringen soll, der geht mit seinem Problem zum Hausaltar und verspricht dem Geist für den Fall der Hilfe eine, oder bei größeren Wünschen auch mehrere Flaschen Schnaps. Natürlich muß der Geist das Versprochene dann aber auch wirklich bekommen, wenn der Wunsch erfüllt ist, sonst könnte er die Wunscherfüllung rückgängig machen, oder sich fürchterlich rächen.

Wenn wir mal abends mit der Familie und vielleicht ein paar Nachbarn vor dem Haus sitzen, um eine Flasche Mekhong-Whisky leer zu machen, die ich spendiert habe, dann passiert es schon mal, daß die Flasche leer, die versammelte Gesellschaft aber noch nicht voll ist. Dann gehe ich einfach zum Hausaltar, frage den Hausgeist in geziemender Form, ob er mir eine Flasche von seinem Schnaps leiht (er hat noch nie nein gesagt) und dann kann die Party weiter gehen. Natürlich muß ich dann sehen, daß der Geist seine Flasche am nächsten Tag mit Dank und mit möglichst einem kleinen Opferteller voll Obst oder Blumen wieder zurück bekommt. Ich habe allerdings in den vielen Jahren das Rätsel noch nicht lösen können, was tatsächlich mit den Flaschen geschieht, denn obwohl von Zeit zu Zeit immer neue hingestellt werden, bleibt die Gesamtzahl auf dem Altar mit etwa 5 Flaschen immer gleich. So ganz kann ich mich bis heute noch nicht zu dem Glauben durchringen, daß der Hausgeist tatsächlich Schnaps trinkt und dann sogar die leeren Flaschen entsorgt. Ich habe statt dessen den Verdacht, daß hier der Opa dem Hausgeist manchmal aushilft.

Auch die Erdgeister sind nicht zu vergessen. Wenn wir abends vor dem Hause sitzen und ich einem Gast ein Glas Bier oder Reisschnaps eingieße, wird jeder erst mal einen kleinen Schluck für die dort wohnenden Geister auf den Boden gießen, bevor er selber trinkt. Auch sieht man manchmal große, alte Bäume, um die bunte Schleifen gebunden oder vor denen Opfergaben abgestellt sind. Dies ist ein Zeichen dafür, daß in diesem Baum ein verehrungswürdiger Geist wohnt.

 

Expats in Thailand        von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Mit dem aus dem Englischen stammenden Begriff Expat bezeichnen sich in der Regel die längere Zeit oder auf Dauer in Thailand lebenden Farangs. Ein Expat ist also jemand, der sich aus beruflichen oder privaten Gründen dafür entschieden hat in diesem exotischen Land zu leben. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, daß man möglichst schnell die Dinge lernt, die erforderlich sind, um in diesem Land ein vernünftiges und zufriedenstellendes Leben zu führen. Was dazu erforderlich ist, hängt natürlich von den individuellen Ansprüchen und Erwartungen jedes Einzelnen ab. Egal aber welchen Lebensstandard man für sich selbst als unabdingbar erwartet, so sind zwei Dinge für jeden Expat erforderlich:

  1. Die Erkenntnis, daß in Thailand andere Regeln der Logik, der Höflichkeit und des menschlichen Zusammenlebens gelten als er von zu Hause gewöhnt war. Daß es also keinen Sinn hat sich damit aufzureiben von Thais Dinge zu erwarten, die nicht ihrer Logik oder ihrer Auffassung von richtigen und angebrachten Handeln entsprechen. Man wird als Ausländer nichts, absolut nichts mit Kritik ändern, und sei sie noch so positiv oder negativ. Wenn man aber zu der Einsicht kommt, daß die Thais anders denken, fühlen und handeln wie wir Farangs, dann sollte man auch mal versuchen zu begreifen, daß die Thais die Sache von der anderen Seite sehen, und sagen "die Farangs fühlen, denken und handeln anders als wir Thais. Aber wenn sie in unserem Land leben, dann sollen sie sich gefälligst an die Spielregeln halten die hier seit Jahrhunderten gelten, und die dafür sorgen, daß unsere Thai Gesellschaft funktioniert."
  2. Die Einsicht, daß er in diesem Land immer ein außerhalb der Thai-Gesellschaft stehender Fremder sein wird, unabhängig davon, wie lange er hier lebt. Der Farang mag sich ernstlich bemühen, er wird es doch es nie schaffen wie ein Thai zu fühlen und zu denken. Dazu muss man schon in diesem Land geboren und aufgewachsen sein. Es ist unsere Denkweise, unsere Wertevorstellungen und die Prägung unserer eigenen Kultur die uns daran hindert. Erforderlich ist ferner die Erkenntnis, daß Thais – bei aller meist zur Schau getragenen Freundlichkeit - eine angeborene Zurückhaltung gegen alles haben was aus anderen Ländern kommt, und daß sie davon überzeugt sind, daß Thais besser und vernünftiger sind als die Angehörigen eines anderen Volkes. Daraus resultiert, daß man es für selbstverständlich hält, daß Thais im eigenen Lande gegenüber dem Ausländer gewisse Vorrechte haben. Vor der Paßkontrolle am Flughafen in Bangkok steht zwar ein Plakat, das alle Gäste mit "Welcome in the Kingdom of Thailand" begrüßt. Das erspart es aber lediglich den Beamten an der Paßkontrolle ein freundliches Gesicht zu machen.

Der neu in dieses Land kommende, oder der nur kurze Zeit hier weilende Tourist mag sich von der äußeren Freundlichkeit und dem ewigen Lächeln täuschen lassen. Er wird aber bald merken, daß es damit nicht mehr weit her ist, wenn diese äußeren Formen einmal wegfallen. Das kann bei einer Auseinandersetzung mit einem Geschäftsinhaber, Taxifahrer oder auch innerhalb der Familie sein. In jedem Falle wird er es merken, wenn er bei einer Behörde irgend etwas zu erledigen oder zu genehmigen hat. Er mag jahrelang mit denselben Menschen zu tun haben, er wird aber – auch wenn er kein Thai versteht – immer wieder das Wort Farang, also Ausländer hören, wenn man über ihn spricht. Der Farang mag wohl wegen seines Geldes, vielleicht auch wegen seiner Kenntnisse eine gewisse Wertschätzung genießen, er wird aber immer wieder feststellen, daß viele Thais bemüht sind einen gewissen Abstand zu ihm zu halten. Auch wenn es unter den Expats viele Thai-deutsche Verbindungen und Ehen gibt, so muss doch jeder der ehrlich ist zugeben, daß Thais und Farangs wie Wasser und Oil sind, d.h. daß sie wohl nebeneinander existieren und leben können, daß daraus aber nie eine Vermischung, eine Emulsion wird.

Wie wird der Expat nun mit dieser Situation fertig. Manche begnügen sich damit, über alles zu schimpfen und unmöglich zu finden, was man als "Thai Ways of Live" bezeichnet. Sie hängen dann meist jeden Abend in ihrer Stammbar, tauschen ihren Ärger oder Frust mit Gleichgesinnten aus, und ertränken ihn in Alkohol. Wenn sie dann morgens mit einem Katzenjammer erwachen, müssen sie sich selbst fragen, was zum Teufel sie hier in diesem Land zu suchen haben. Andere versuchen sich einzurichten, und - aus der Erkenntnis heraus, daß es keinen Sinn hat seine Kräfte damit aufzureiben gegen den Strom zu schwimmen - die Eigenarten des Thai-Charakters bei allem was sie tun und vorhaben in Rechnung zu stellen, und im Übrigen das zu genießen, was dieses Land an Schönem und Angenehmen zu bieten hat. Und dann gibt es die Farangs, die wie ein enttäuschter Liebhaber diesem Land den Rücken kehren, und sich dann doch immer wieder heimlich hierher zurücksehnen.

So mancher der sich lauthals darüber beklagt, daß ihn das Land zugrunde gerichtet habe, will sich selbst nur nicht eingestehen, daß er sich selber zugrunde gerichtet hat. Mit seinen unerfüllbaren Träumen von einem Leben ohne Arbeit oder ausreichenden finanziellen Rückhalt, mit seiner Erwartung hier das Paradies auf Erden zu finden, mit der Meinung daß die Menschen, die überwiegend einen geringeren Bildungsstandard als er selbst hat, damit auch dümmer sind als er selber, und nicht zuletzt mit der Illusion auszusteigen und dabei alles mitnehmen zu können was das Leben in Deutschland zu bieten hat, wie Rechtsgrundsätze, gesellschaftliche Regeln, soziales Netz u.s.w.

Es gibt viele, für die ist Thailand ein Traumland, und es gibt andere, für die ist Thailand ein Alptraum, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, und das muss jeder für sich selbst definieren. Wer nach Thailand kommt um das Paradies zu suchen, der muss sich darüber klar sein, daß Adam das Paradies wegen der Geschichte mit dem Apfel ein für alle Mal verspielt hat. Dieses Land ist kein Paradies und mit unserer Kultur und Denkweise wird man dort meist auf die Nase fallen. Man muss eine Menge Input haben um dieses Land seine Menschen und ihre Handlungsweisen zu verstehen. Vor allem muss man in der Lage sein seine eigene Kultur und Denkweise in Frage zu stellen.

Dabei ist weder Blauäugigkeit noch rosa Brille angebracht, aber auch nicht die Überziehungen und das ewige Geschimpfe mancher 'Thailandkenner'. Keiner kann umhin seine angeborene und erworbene Lebens- und Sichtweise mit in die Betrachtung eines anderen Landes einzubeziehen. Ich kann mir aber Thailand nun mal nicht so zurechtlegen wie ich es will. Es ist so wie es ist, ein schönes Land voller Widersprüche.

Ich verstehe sehr gut, daß den Expats viele Dinge hier mißfallen. Auch mir geht in Thailand manches gegen den Strich, und gegen meine angeborene oder angelernte Auffassung von Sauberkeit, Ordnung und vernünftigen Leben. Aber ich bin nicht hier um den Thais beizubringen, wie sie in ihrem eigenen Land leben sollen. Andererseits gefallen mir sehr viel mehr Dinge als wie sie mir mißfallen. Wenn das nicht so wäre, würde ich nicht hier leben, sondern in Deutschland bleiben. Das Problem vieler Farangs ist, daß sie aus anerkennenswerten Gründen meinen, die Thais müßten sich unseren Wertvorstellungen und Regeln anpassen. Da kann man eher versuchen das Meer auszuschöpfen.

Laß die Thais nach ihrem Gusto leben, und schaff dir selbst die nötigen Freiräume, dann hast Du eine gute Chance als Expat hier zufrieden zu leben. Es hat wenig Zweck zu versuchen ein Thai zu werden. Auch wenn man die Sprache spricht, sich zum Buddhismus bekennt, und sogar eine Zeit ins Kloster geht, bleibt man doch in Thailand immer ein Farang. Der Farang wird es bei allem Willen zur Anpassung nicht schaffen, sein kulturbedingtes Denk- und Verhaltensmuster auf Thai umzupolen. Wer aber unter Thais leben will, sollte er trotzdem versuchen sich im täglichen Leben den Thai-Gepflogenheiten anzupassen, auch wenn sie seinem angeborenen Denkmuster nicht entsprechen. Er wird aber selbst entscheiden müssen, wo die Grenze ist, von der ab er nicht mehr alles akzeptiert. Das wird in der Regel dann sein, wenn es ernsthaft an seine finanziellen Reserven, seine Gesundheit, oder seine Selbstachtung geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Thais das dann auch problemlos akzeptieren

 

 
Sanuk         von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

Wenn man im Wörterbuch nachschlägt, dann wird Sanuk mit Spaß, Vergnügen übersetzt. Für die Menschen in Thailand ist Sanuk aber mehr als nur Spaß, sondern es drückt vielmehr ihre Lebensphilosophie aus. Das heißt nicht etwa, daß sie nur oberflächlich dahinleben, und die Realitäten des Lebens nicht sehen wollen. Sanuk ist vielmehr ein Ausdruck für ihre angeborene Lebensfreude, ohne die das Leben eine eintönige und trostlose Sache wäre. Alle Erfahrungen werden in "Sanuk" und "mai Sanuk" (kein Spaß) eingeteilt. Gut essen, mit Freunden zusammensitzen, einen Film sehen, und natürlich feiern, das ist "Sanuk". Arbeit dagegen ist "mai Sanuk", vor allem wenn sie eintönig ist, und nicht mit Freunden zusammen durchgeführt wird, so daß auch Gelegenheit zu einem Schwätzchen oder Späßchen ist. Sogar bei der Arbeit versucht man daher möglichst in Gruppen zusammen zu arbeiten, um dabei soviel Spaß wie möglich zu haben.

Vor allem auf dem Lande, wo es nicht sehr viele Möglichkeiten gibt, sich die Zeit zu vertreiben, lieben die Leute nichts so sehr wie ein fröhliches Beisammensein mit Freunden oder Bekannten, möglichst mit Musik (oder was auch nur entfernt dafür angesehen werden kann), mit Essen und Trinken, und mit der Möglichkeit zu einem Tänzchen. Jede Gelegenheit, ein kleines oder größeres Fest zu feiern wird genutzt, egal ob es eine Hochzeit, ein Geburtstag, eine Mönchsweihe, eine Hauseinweihung oder eine Beerdigung ist. Gefeiert wird nicht etwa nur im Familienkreise, sondern je mehr Nachbarn und Freunde dazu kommen, um so besser.

Sobald bei solch einem geselligen Beisammensein Musik vorhanden ist, egal ob vom Kofferradio, oder mit irgend welchen Instrumenten selbst fabriziert, wird getanzt, und zwar der typische thailändische Ram-Wong. Das ist ein Tanz, bei dem sich die Paare nicht berühren, sondern unter graziöser Verdrehung der Hände und Finger einander umtanzen. Den Ram-Wong tanzen nicht nur Paare miteinander, sondern auch Männern mit Männern und Frauen mit Frauen. Die unglaubliche Leichtigkeit der Bewegungen verleitet dann den bei einem solchem Fest anwesenden Farang oft dazu, es auch einmal zu versuchen, vor allem wenn er von netten Mädchen dazu aufgefordert wird. Dabei macht er dann sich unweigerlich zum Affen, wenn er mit der Grazie eines liebeskranken Elefanten eine zierliche Thai umtanzt. Dagegen bin ich immer wieder fasziniert, mit welch graziösen Bewegungen sich selbst dicke Thai-Marktweiber beim Ram-Wong bewegen.

Als ich einmal über Weihnachten in Bangkok war, wurde ich zum Heiligen Abend von einem deutschen Bekannten, der in der Soi Cowboy eine Go-Go-Bar betrieb, zu einer Weihnachtsparty in sein Lokal eingeladen. Normalerweise verrenken in solch einem Laden auf einem über der Bartheke befindlichen Laufsteg manchmal 20 Mädchen gleichzeitig in allerknappsten Kostümen zur Unterhaltung der Gäste ihre ansehnlichen Glieder. Zu dem feierlichen Anlaß waren aber nicht nur alle männlichen Gäste mit Schlips und Kragen erschienen, sondern auch die weibliche Besatzung des Etablissements hatten alle ihre besten Thai-Kostüme angelegt. Da es eine private Weihnachtsfeier sein sollte, wurden deutsche Weihnachtslieder vom Band gespielt. Aber Musik ist Musik; die Mädchen konnten dabei nicht ruhig sitzen und fingen alle an den Ram-Wong zu tanzen. Es war schon ein etwas ungewöhnlicher, aber keineswegs unangenehmer Anblick, eine Schar hübscher Mädchen zu den Klängen von 'Herbei oh ihr Gläubigen' auf dem Laufsteg die graziösen Figuren des Ram-Wongs tanzen zu sehen. Diesmal fanden auch die Farangs, es wäre Sanuk gewesen.

Ein anderes Beispiel für die Fähigkeit der Thais, aus jeder Situation möglichst viel Spaß herauszuholen, habe ich einmal erlebt, als in einer in der Nähe der Kreisstadt befindlichen Schuhfabrik - ich weiß nicht aus welchem Grunde - gestreikt wurde. Statt der bei uns üblichen Streikposten, die mit grimmigen Gesicht und fröstelnd hochgeschlagenem Kragen den Eingang zum Werk blockieren, hatte die Belegschaft vor dem Tor der Fabrik eine kleine Bühne aufgebaut. Eine Kapelle mit Sängerin machte Musik, die über eine Lautsprecheranlage noch 10 km weiter zu hören war, und nur gelegentlich von Parolen der Streikleitung unterbrochen wurde. Ringsherum tanzte dazu mindestens die halbe streikende Belegschaft, überwiegend Frauen, fröhlich den Ram-Wong . Alle Beteiligten hatten augenscheinlich einen Heidenspaß an der Geschichte - sicherlich mit Ausnahme der Werksleitung.

 

Schule in Thailand             von Günther Ruffert

 

Günther Ruffert ist Autor der Bücher «Geschichten aus Thailand» und «Farang in Thailand», in welchen er auf lockere Weise das Alltagleben beschreibt. Lesen Sie hier ein paar Geschichten. Bestellen können Sie online: Geschichten aus Thailand + Farang in Thailand

In Thailand gibt es für alle Kinder, selbst im entlegensten Dorf, die 6 jährige Schulpflicht. Eltern die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, riskieren nach dem Gesetz 5000 Baht Strafe. Das Schulsystem in jedem Lande ist aber ein Teil des Gesellschaftssystems. Es spiegelt die Wertvorstellungen der Gesellschaft - in autoritären Systemen oft auch die Ideologie der herrschenden Partei - wieder, und vermittelt sie an die Kinder. Es ist eine Tatsache, daß das Schulsystem in Thailand schwerfällig und uneffektiv ist, und das ist sicherlich auch der Grund für die Schwerfälligkeit der meisten öffentlichen Institutionen wie Behörden oder Banken. Man ist immer wieder erstaunt über die Probleme, die man hier antrifft, wenn es um etwas geht was nicht alltägliche Routine ist (und das ist meist der Fall, wenn die Angelegenheit einen Farang betrifft). Es ist meist kein schlechter Wille, sondern die Unsicherheit selbständig eine Entscheidung zu treffen.

Das Lernen in der Schule ist ganz auf das sture Auswendiglernen von dem was in den Lehrbüchern steht beschränkt. Die Schüler sind es gewohnt, nur Informationen aufzunehmen. Traditionell sind die Schüler aufs 'Kopieren' ausgerichtet. Der Lehrer schreibt etwas an die Tafel, und die Kinder kopieren es ab, ohne zu verstehen, um was es sich handelt. Systematisches, analytisches Denken und kritikfreudige Herangehensweise an Problemen, wie deutsche Schüler es lernen, sind in den meisten thailändischen Schulen unbekannte Begriffe. Die Schüler kommen auch gar nicht auf den Gedanken, daß es für viele Fragen und Probleme nicht nur ein "Falsch" oder "Richtig", sondern auch ein "Sowohl-als-auch" gibt.

Der Schüler wird auch nicht dazu ermuntert Fragen zu stellen wenn er etwas nicht versteht. Es steht ihm nicht zu Fragen zu stellen, weil er eben nur ein Schüler ist. Bescheidenheit und Zurückhaltung, Tugenden mit hoher Wertschätzung in Thailand, sind teilweise hierfür verantwortlich. Thais sind normalerweise dazu erzogen, sich nicht in den Mittelpunkt zu stellen, vor allem dann nicht, wenn es bei der anderen, höhergestellten Person Gesichtsverlust verursachen könnte. Können Kinder an den westlichen Schulen dem Lehrer sagen, das hab ich nicht verstanden, so ist das in Thailand aus mehreren Gründen nicht möglich.

1. der Schüler dokumentiert seine eigene Unfähigkeit, und macht sich zum Gespött seiner Mitschüler.

2. die Autorität des Lehrers wird in Frage gestellt. Es steht dem Schüler nicht zu, diese Frage zu stellen, weil er eben nur ein Schüler ist.

3. Von einem Lehrer, dessen Autorität in Frage gestellt wird, wird auch ein hartes Abwehrverhalten erwartet. Kommt dies nicht, verliert der Lehrer sein Gesicht und jeden Respekt der Schüler.

Es wird auch keine Zeit darauf verwendet, den Schülern beizubringen selbständig nach Problemlösungen zu suchen, oder ihnen beizubringen wie sie an Informationen kommen, die nicht in ihren Lehrbüchern stehen. Sie haben auch keine Chance, sich außerhalb der Schule über irgend etwas zu informieren. Das Fernsehen versagt in dieser Beziehung völlig, und Zeitungen liest auch niemand. Wenn etwas gelesen wird, dann sind es Comic-Heftchen.

Die für die Erziehung in Thailand maßgebenden Leute haben zwar erkannt, daß eine grundlegende Änderung der Lehrinhalte und Lehrmethoden erforderlich ist, um nicht den Anschluß an die Entwicklung der Weltwirtschaft zu verlieren, und man hofft mit Hilfe westlicher Methoden und Lehrbücher Initiative und Leistungswillen bei den Kindern zu steigern. Gleichzeitig versucht man aber, durch Betonung der Besonderheiten und der traditionellen Eigenarten siamesischer Kultur die erzieherischen Werte der "Geordnetheit", des "angemessenen Platzes", der "vertikalen Bindungen" zu erhalten. Dieses Dilemma bleibt aber unlösbar, solange man beides will: Submission sowie produktive Leistung. Man hat als Farang oft den Eindruck, daß die Thais sich bei der Anpassung ihres Schulsystems mit ihrer eigenen Tradition und Kultur im Wege stehen.

Bei den Plänen zur Schulreform ist auch der abzusehende Widerstand der Bürokratie und der Lehrerschaft kaum berücksichtigt worden. Nirgendwo auf der Welt kann man absolute Autoritäten, wie es die Lehrer seit Jahrzehnten in der Thai-Gesellschaft sind, davon überzeugen, daß sie auf dem falschen Dampfer sind. Die Schulreform muss bei der Lehrerausbildung beginnen. Dieser Prozeß kann in einer Generation aber nur eingeleitet werden.

Wenn die Regierung jetzt verspricht mehr Geld in die Schulen zu stecken, wird das auch nicht viel bringen, denn mit Geld alleine kann man kein Wissen vermitteln. So wird z.B. ein Regierungsprogramm, das vorsieht alle Schulen mit Computern auszurüsten um damit ins Internet zu gelangen wenig nützen, ohne eine zumindest rudimentäre Beherrschung der englischen Sprache. Erst wenn die Möglichkeiten des Internets angewendet werden, um Lehrinhalte auf den Bildschirm zu holen und zu verarbeiten, können die immensen Möglichkeiten die dieses neue Medium für Bildung und Ausbildung bietet wirklich genutzt werden. Das ist aber ohne Beherrschung der Sprache, in der international alle Menüs und Kommandobefehle geschrieben sind kaum möglich.

Charakteristisch für die Probleme des Schulsystems in Thailand ist z. B. der Englischunterricht. So haben selbst die Grundschüler in Dorfschulen mindestens 4 Jahre Englischunterricht, ohne danach in der Lage zu sein, einen einzigen Satz in Englisch selbst zu formulieren. Dafür gibt es natürlich seine Gründe.

  1. Das Gehalt der Lehrer - ein Lehrer, der tatsächlich genug englisch kann und schlau ist, geht nach Bangkok, weil er dort als Übersetzer locker das dreifache verdienen kann.
  2. Da die Lehrer selbst kaum der englischen Sprache mächtig sind, beschränken sie sich darauf, die Kinder ganze Seiten der Lehrbücher abkopieren zu lassen, ohne daß diese eine Chance haben den Inhalt zu verstehen.
  3. Das Lernen zu Hause - für die Kinder gibt es beispielsweise gar keinen Platz, um Hausaufgaben halbwegs ordentlich zu machen. Kaum eine Familie besitzt einen Tisch, wo man sich mal länger konzentriert hinsetzen kann, und niemand in der Familie ist in der Lage die Hausaufgaben zu kontrollieren.

Nach dem Schulabschluss gibt es in Thailand keine geregelte Berufsausbildung, wie wir sie bei uns kennen. Also eine Lehre in einem Betrieb/Handwerk, mit gleichzeitiger Berufsschulausbildung. Kleine Betriebe lernen die Arbeiter soweit an, daß eine sinnvolle Beschäftigung an Maschinen usw. möglich ist. Größere Firmen bilden junge Leute begrenzt für ein bis zwei im eigenen Betrieb zu erfüllende Arbeitsvorgänge aus. Auch für Bankangestellte wird lediglich eine gewisse Dauer an Schulbildung als Minimum verlangt. Sie machen dann vielleicht noch einige Jahre College-Ausbildung und bewerben sich bei e